Bremen: Das Blut, das Salz, das Leben
«Die Sonne Satans schien vom Meer her, das man nicht sah, aber roch.» Das ist so ein Fritz-Kater-Satz von poetischer Wucht, ein Satz in den schon all das Grauen eingeschrieben ist, das das Mädchen (Mirjam Rast) erleiden wird, im Wäldchen, wo der Vergewaltiger (Manolo Bertling) wartet.
«Die Sonne Satans», das ist der Hamster, den der Angreifer dem Mädchen schenkt, die Pulle Schnaps, die er ihr reicht, ihr Spiel mit Macht und Ermächtigungsstrategien, und schließlich der Schlag, den er ihr versetzt, das Zurechtrücken der Verhältnisse, die Klarstellung: Wer ist hier stärker?
«Die Sonne Satans schien vom Meer her» ist zwar ein wuchtiger Satz, aber er ist auch falsch in dieser Inszenierung von Katers «Love you, Dragonfly» am Theater Bremen. Er stimmt nicht, weil die Figuren klatschnass sind, überall tropft es, und keine Sonne scheint von irgendwoher. Ein Satz mit Fallstricken, ein Satz, der einen auf unsicheren Boden führt. «Den schwarzen Grund empfinden nur die Geweihten», endet die Episode, noch so ein Fritz-Kater-Satz.
Katers «Love you, Dragonfly» wurde vor zwei Jahren von Alice Buddeberg mit analytischer Genauigkeit in Bonn als Episodendrama uraufgeführt. Die zweite Inszenierung ...
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Theater heute November 2018
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Falk Schreiber
Ein Herrenanzug auf einem Tisch. Sechs Männer und eine Frau, allesamt stummfilmhaft geschminkt und in weißer Feinripp-Unterwäsche, zupfen an ihm herum, bringen ihn allmählich zum Tanzen. Dann stülpen sie den Anzug einem von sich über, dem staunenden jungen Mann mit der Stirnlocke. Und im Handumdrehen ist er zum Protagonisten in Kafkas Erzählung «Das Urteil»...
So richtig schön schauerlich blutrot leuchtet der Papstpalast. La Cour d'honneur, der Empfangshof in der Papstburg, ist immer noch das Herz des Festivals von Avignon, seit vor siebzig Jahren Jeanne Moreau, Gérard Philipe und Jean Vilar hier den «Prinzen von Homburg» aus dem Pariser Stadttheaterstaub an die frische Luft holten. Jeanne Moreau ist übrigens gleich...
Endlich mal keine düstere Dystopie zum weiteren Untergang des Abendlandes, sondern eine Zukunftsvision, die nicht heller und erwartungsfroher strahlen könnte: Die Menschheit, wie sie Lukas Bärfuss zumindest am Anfang seines neuen Stücks vorstellt, lebt nach dem Prinzip von «Hingabe, Wohlwollen und Freundschaft», hat Kriege und allen Streit hinter sich gelassen,...
