Geisterbeschwörungen
Reibung erzeugt Wärme. Man kann sie sich auch selbst beschaffen. Die Haut juckt, man muss sich kratzen oder die Beine scheuern, wie es der ehemalige Gutsbesitzer Telegin und auch die junge Frau Elena tun. Aber was wäre schon groß dabei, sich von einem fremden Körper, gleich welcher Art, anfassen zu lassen? Wenn es nur die Temperatur erhöht, die Illusion von Nähe erzeugt, das quälende Gefühl beendet. Aber nein, das geht nicht und ekelt bloß, wenn der eine Reiz nicht mitspielt: die Anziehung, die Lust, das Begehren.
Elena ekelt es vor Wanja, so dass sie nicht einmal seinen Handkuss aushält, ekelt es aber auch vor ihrem eigenen Mann, dem alten Professor. Mit Astrow, dem Arzt, wäre es etwas anderes. Sie reißt ihm zum Abschied die Sachen vom Leib. Ihn wiederum liebt Sonja, Wanjas Nichte, schmerzlich vergebens. Und Astrow streckt sogar die Hand aus nach Telegin und führt sie unter dessen Hemd, als wolle er dort etwas ertasten, das ihm bislang unbekannt war.
Unruhige Geister sind es, die zum Saisonauftakt im Schauspielhaus Bochum seitlich über eine Einlasstür auf die Bühne heraufkommen und an der Rückwand aufgereiht Platz nehmen, neben sich zwei Kleiderstangen. Sodass nicht nur Angela ...
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Theater heute November 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Andreas Wilink
Es geht das Gerücht, das Berliner Gorki Theater sei die erste Migrationshintergrundlagenforschungsbühne der Republik. Was für ein Missverständnis! Es geht dort jetzt um deutsche Mythen, siehe «Nibelungen».
Theaterbücher haben es bei der Kundschaft traditionell schwer. Nur zu Weihnachten geht’s ein bisschen leichter – ein Überblick über wichtige Neuerscheinungen des...
Der Ansturm hat nachgelassen. Zwar gibt es noch Sperrgitter vor dem Oberlandesgericht München in der Nymphenburger Straße, aber im Saal 101 bleiben inzwischen häufig Plätze frei. Seit Mai 2013 wird dort Beate Zschäpe, Überlebende der rechtsradikalen Zwickauer Terrorzelle, bekannt auch als Nationalsozialistischer Untergrund (NSU), der Prozess gemacht. Vorgeworfen...
Norwegen erlebt eine Literaturdebatte, wie es sie wahrscheinlich seit den Auseinandersetzungen um den Nobelpreisträger und Hitler-Bewunderer Knut Hamsun nicht mehr gegeben hat und deren erster Teil ganz allein der Entscheidung zur Vergabe des Internationalen Ibsen-Preises galt.
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