Matze Vogel, Janning Kahnert, Evelyn M. Faber und Karoline Reinke; Foto: Karl und Monika Forster/Theater Wiesbaden
Wiesbaden: Das Gute im Menschen
Das Schöne von Klischees liegt in ihrer Vertrautheit: Sie bieten bekanntes Terrain in einer Welt voller Unwägbarkeiten. Beispielsweise die junge, ehrgeizige und hübsche Psychologiestudentin, die fest an das Gute im Menschen glaubt. Oder ihr zynischer, kaugummikauender Mentor, der ihre Naivität ausnutzt und seine Nachhilfe mit Sex bezahlen lässt. Oder der cholerische, dauertelefonierende Hedgefonds-Manager, der keine Zeit hat, zur Geburtstagsparty seiner blitzgescheiten Adoptivtochter zu kommen, ihr aber gern bei Cornflakes die Welt erklärt.
Aufgemischt wird die weiße, westliche Bagage durch zwei mittellose, aber hochbegabte Nachwuchsmathematiker aus China und Indien.
Sie alle treffen sich in dem Stück «The Hard Problem» des 80-jährigen britischen Dramatikers Tom Stoppard aus dem Jahr 2015. Ebenso vertraut wie sein Personal kommt das Dilemma daher, das es zu lösen sucht: Nichts weniger als das titelgebende «Hard Problem» der Hirnforschung nämlich, die Frage nach der Verfasstheit des menschlichen Bewusstseins. Ist es nur eine Hirnfunktion, vorhersagbar wie ein Computerprogramm – und damit letztlich manipulierbar? Oder ist seine Existenz vielmehr der Beweis dafür, dass Menschen eine ...
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Theater heute Dezember 2017
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Esther Boldt
#EveToo. Es ist ja das Stück zur Stunde. Ein Mann mit Macht nötigt eine junge Frau zum Sex; die Ähnlichkeiten mit lebenden Personen drängen sich auf und sind leider ganz gewiss nicht zufällig. In nackter Scheußlichkeit windet er sich also auf die Bühne, Markus Scheumanns Adam, und hopst auf seinen Dorfrichter-Drehsessel. Von da grinst er zufrieden herunter und...
Nur zum Verständnis: Man darf von einem Kompendium namens «Komik. Ein interdisziplinäres Handbuch» nicht erwarten, selbst komisch zu sein. Aber auch für akademische Verhältnisse kommt der vom Gießener Literaturwissenschaftler Uwe Wirth herausgegebene Band recht trocken daher. Freilich ist es natürlich eine Frage der wissenschaftlichen Seriosität, zunächst über rund...
Darf ein schwarzer Mann mittleren Alters an einem deutschen Stadttheater eine weiße Frau, beispielsweise die Amme in Shakespeares «Romeo und Julia», spielen? Ausdrücklich verneinen würde das niemand, aber in der Praxis erscheint eine solche Besetzung dennoch fast ausgeschlossen. Schaut man jedoch dem New Yorker Tänzer und Choreografen Trajal Harrell dabei zu, wie...
