Tanz um das weiße Papier

Valère Novarina «Brief an die Schauspieler»

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Ein Langweiler mit Karojackett und spießiger Brille schnurrt mit stoischem Gleichmut eine Rede auf das Ende der Ära Badora am Düsseldorfer Schauspielhaus. Dass ihn ein ziemlich lautes Orchester bizarrer Figuren umkreist, scheint ihn nicht wirklich zu hindern – da greift er halt zum Mikrofon. Worte wie «gewachsenes Publikum», «große Klassiker» «Widersprüche wurden nicht gescheut» und «Theater als kulturpolitischer Faktor» müssen einfach gesagt werden und gehen letzten Endes dann doch wortwörtlich mit Pauken und Trompeten unter.

Was bleibt, ist eine Projektion des Schauspielhauses auf einem Tuch, in das der seriöse Herr rücklings reinkippt und verschwindet. 

Dieser abstrus melodische Abgesang auf zehn Jahre Spielzeit unter Badora ist eins der Schmankerl in Philip Tiedemanns Inszenierung seiner selbsterstellten Spielfassung von Valère Novarinas erstmals 1979 erschienenem «Brief an die Schauspieler». Der in Frankreich mit zu den bekanntesten Theaterautoren und -machern zählende Wortvirtuose und Klangmeister Novarina («Ich schreibe durch die Ohren») richtet sich in seinem sprachgewaltigen Theatermanifest gegen jede Form von theatraler Repräsentation, inhaltlicher Ausdeutung und ...

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Theater heute Mai 2006
Rubrik: Chronik, Seite 33
von Natalie Bloch

Vergriffen
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