Vom Gold erschlagen
Das Bühnenlicht geht auf, sanfte Bläsermusik erklingt, im Lichtschatten liegt ein nacktes, mit Gold bedecktes Paar. Schön ist auf der Bühne der frühe, sonnige Maimorgen eingefangen, mit dem Gerhart Hauptmann sein trauriges Kindsmörderinnendrama «Rose Bernd» beginnt – eine märchenhafte Glücks-Illusion. Doch nicht für jeden ist die Lebens-Party gedacht.
Die Nacktheit von Jana Schulz’ Rose Bernd erhält sogleich etwas Verlorenes und Verstörendes.
Nervös will sie aufstehen, weil die Kirchleute kommen, doch gierig und herrisch hält sie ihr fremdgehender Arbeitgeber Christoph Flamm fest. Fast schon eine Vergewaltigung. Olaf Johannessen spielt den väterlich-rücksichtslosen Liebhaber als smart-cholerischen Erfolgsmenschen, der über Leichen geht. Das Gold, das vom Bühnenhimmel zu rieseln beginnt und zur zynischen Metapher des Abends wird, legt sich in jede Hautfalte und ist für Rose Bernd eher klebrig.
Als umgekehrtes Sterntaler-Märchen hat Roger Vontobel das traurige Kindsmorddrama am Schauspiel Bochum inszeniert, das erzählt, wie ein starkes, schönes und fleißiges Bauernmädchen von allen verraten in den Abgrund gerät und nicht in christlicher Gewissheit vom Gold im Himmel gerettet wird. ...
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Theater heute Dezember 2015
Rubrik: Chronik, Seite 65
von Dorothea Marcus
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