Kultur Null
Drei Tage dauerte das Theaterspektakel der «Moskauer Prozesse» in den Räumen des Sacharow-Zentrums. Genau in diesem Saal stürmten im Jahre 2003 rechtgläubige Aktivisten die Ausstellung «Vorsicht, Religion!», genau hier öffnete vier Jahre später die Ausstellung «Verbotene Kunst 2006». Und genau hier schauten am dritten Tag der «Moskauer Prozesse» rechtgläubige Kosaken herein, um sich mit der Rückkehr der Sünder zu befassen.
Die Kosaken waren eigentlich auf dem Weg zu einer anderen Kulturveranstaltung, ins Puschkin-Museum, offenbar um dort zu stören, erhielten aber auf dem Weg dorthin Befehl, sich mit dem «Sakrileg» zu befassen, dass im Sacharow-Zentrum schon wieder vor sich ginge.
Diese Art von «Sakrileg» wird sie verwundert haben: Dokumentartheater bester Tradition, ein überall in Europa populäres, den Bewohnern Russlands aber praktisch unbekanntes Genre. Die unmittelbar Beteiligten der drei Strafprozesse waren auf der Bühne neben extra eingeladenen Experten für zeitgenössische Kunst, Spezialisten für religiöse Fragen, Juristen und Journalisten platziert. Einige von diesen spielten Rollen, wie zum Beispiel die Kolumnistin des Fernsehkanals «Doschd», Olga Schakina, die als Richter ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2013
Rubrik: Ausland, Seite 48
von Marina Davydova
Hoch die Flaschen! Zu feiern haben sie nichts, zu ertränken einiges. Sie sind noch nicht alt und doch schon ziemlich am Ende. «Total am Arsch», nennen das die einen, am «Perspektivenminimum» die anderen. Ein lausiges Lebensgefühl haben die Polin Dorota Maslowska (Jahrgang 1983) und der Österreicher Ewald Palmetshofer (Jahrgang 1978) ihrer Generation da abgelauscht....
Zu ihrem zwanzigjährigen Bestehen beschenkt die britische Kult-Physical-Theatre-Gruppe «Told by an Idiot» sich und die insulare Theaterwelt mit einer wunderbar skurrilen neuen Produktion. «Idiot»-Veteran Paul Hunter kickstartet «My Perfect Mind» in weißem Kittel, Walle-Perücke und perfektem Deutsch. Besonders Letzteres für einen Engländer eine grandiose Leistung:...
Gut möglich, dass Sven Lehmann der tiefentspannteste Mephisto war, den man bis dato im Theater sehen konnte. Wie er dem viel größer gewachsenen Faust des Ingo Hülsmann mit nachgerade zärtlicher Seher-Geste in regelmäßigen Abständen den Kopf auf die Schulter legte, während der sich in akademischer Streber-Manier schweißtreibend neben ihm abhampelte, wird keiner, der...
