Man weiß nie, was noch kommt
Das Unterschichtenfernsehen beginnt dort, wo Gert Scobel nicht mehr mit deutschen Professoren über Einstein diskutiert und Harald Schmidt sich nicht mehr unter safrangelben Tüchern versteckt. Alles andere ist dem Kulturbürger, der sich zur Verteidigung der Hochkultur igelartig zusammengerollt hat, igitt. Um zwanzichuhrfümfz'n, nach Tagesschau und Kulturzeit, wird das Terrain den Prolls überlassen; man schiebt eine Opern-DVD in den Player und schleicht sich dann zur Tarantino-Retrospektive um Mitternacht wieder ins Programm.
Über nichts kann man sich mit Abitur so leicht erheben wie über das Fernsehprogramm (Platz zwei: die Bundesbahn). Vor lauter Anstrengung, den normalen Ikea-Menschen auszuweichen, erkennt der Restbestand der Hochkulturbewohner die satirefähige Normalität des eigenen Milieus nicht mehr. Aber auch oder gerade auf der Volks- oder Schaubühnenpremiere ist Lindenstraße. Soviel vorweg.
Im Schillerjahr muss die Sat1-Comedy-Sendung «Schillerstraße» ganz oben auf der Liste dessen stehen, was man kulturbürgerseits nicht sehen möchte. Das Ikea-Proletariat, diese schreckliche, aus Lehrern und Zahntechnikern bestehende Unterschicht, verkörpert von deutschen Comedians, wird vor ...
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Am Anfang glaubt man einfach nicht, dass Axel Prahl das alles schafft. Im Prinzip ist die Rolle des agilen Gebrauchtwagenhändlers Bernd Willenbrock für den Schauspieler kein Problem – Prahls Spezialität sind schließlich kleinbürgerliche Milieugestalten wie ostdeutsche Imbissbetreiber oder westfälische «Tatort»-Kommissare. Schwieriger wird es mit Willenbrocks...
Das Schlimmste, was ihrem Stück auf dem Theater passieren könne, sagt Anja Hilling, sei, dass auf der Bühne wirklich Gulasch gekocht werde. Nun wurde bei der inoffiziellen Uraufführung von «Mein junges idiotisches Herz» im Werkraum der Münchner Kammerspielen dieses Gulasch nicht nur gekocht, sondern am Ende der Vorstellung auch noch von allen Schauspielern...
Würden sich die britischen Theatermacher etwas besser mit deutschen Klassikerzitaten auskennen, hätten sie ihrem Kultusministerium jetzt ein glorreich Goethesches «Am Golde hängt doch alles. Ach wir Armen!» entgegenschmettern können. Statt Gretchenklage wurden andere verbale Fäuste geschüttelt in einer ungewöhnlich lauten öffentlichen Debatte um den kommenden...
