Angstfreies Experimentieren
An Rand der Innenstadt, direkt neben dem Kaaitheater, schiebt sich die monströse Glasnase einer ehemaligen Autofabrik auf den Square Sainctelette. Es handelt sich um die Speerspitze des gigantischen Gebäudes am Kanal Charleroi-Brüssel, in dem breite Auffahrten die einzelnen Etagen miteinander verbinden und Tageslicht durch Glasdächer fällt. Früher hat hier Citroen gebaut, und auch heute ist der Bauherr französisch: Das Pariser Centre Pompidou will mit dem «Kanal» eine Brüsseler Filiale errichten und bestücken.
Während des Kunstenfestivals des Arts öffnete auch das zum Kunstmuseum gewandelte Autohaus seine Pforten und klebte sich in riesigen roten Lettern das Wort BRUT auf die Fassade. Allerdings nur, um sie in ein paar Wochen wieder zu schließen: Für die dauerhafte Kunstnutzung muss erst noch renoviert werden.
Während ein Teil der Kulturszene mit Argwohn auf das Pariser Franchiseunternehmen blickt (die 2 Millionen Kofinanzierung der Stadt hätte man besser in lokale Kunst- und Bildungsprojekte gesteckt, findet etwa Dirk Snauwaert, Direktor des Musée Wiels), hat das Kunstenfestival hier kurzerhand eins seiner vier Festivalzentren aufgeschlagen. Die melancholische Aura der ...
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Theater heute August/September 2018
Rubrik: Festivals, Seite 14
von Eva Behrendt
In einer Ecke des klinisch weißen Bühnenraums von Ulrich Leitner sitzen sechs Personen in grauen Overalls zusammengedrängt auf einer Anklagebank und wirken ein wenig wie Mäuse in einem Versuchslabor. Um Versuche geht es an diesem Abend, um Experimente an Menschen bis zur jahrelang bürokratisch vorbereiteten und generalstabsmäßig durchgeführten Tötung von...
Mit Mitte 30 hat Mary Page Marlowe viel erduldet und nichts erreicht in ihrem Leben. Sie sitzt auf einer Bank, ein Therapeut durchlöchert ihre Ich-Blockade mit Existenzfragen, auf die sie keine Antwort kennt. Bis sich Marys stahlblaue Augen weiten. Und dann sagt sie, dass sie sich noch niemals für etwas wirklich entschieden habe. Eine namenlose Sehnsucht liegt frei...
Nur eines der Kinder der «Familie Brasch» ist heute noch übrig, die Jüngste, Marion Brasch, die es nun als ihre Aufgabe sieht, von den anderen, den Verstorbenen zu berichten: von Thomas und Klaus und von Peter. Sie hat das bereits im Roman «Ab jetzt ist Ruhe» getan, der, ohne Namen zu nennen und in leicht fiktionalisierter Form, die Geschichte ihrer DDR-Kindheit...
