Holistisch denken
Sich eine Welt auszumalen, in der das Realitätsprinzip abgeschafft ist, praktische Umstände keine Rolle spielen und der Wunsch nur darauf wartet, seine Erfüllung zu finden, das hat wenig mit der Art und Weise zu tun, mit der ich mich durchs Leben bewege. Deswegen entspricht es meinem Bild des idealen Theaters und meinem Selbstverständnis, dass die Künstlerische Leitung und die Geschäftsführung in einer Hand sind. Die eine Seite hat immer auch mit der anderen – ihrem vermeintlichen Gegenteil – zu tun. Ich nenne das holistisch denken. Kein Inhalt ohne Form. Kein Geist ohne Körper.
Keine Reflexion ohne Sinnlichkeit. Nur so kann ein Theater entstehen, in dem die Liebe genauso einen Ort hat wie die Politik.
Das HAU – Hebbel am Ufer kommt in vielerlei Hinsicht meinen Vorstellungen eines idealen Theaters bereits recht nahe. Ein Haus ohne eigenes Ensemble, in dem aber viele Bühnenkünstler eine Heimat haben, ein Haus für Gastspiele und Koproduktionen, für Internationalität und Interdisziplinarität. Zudem ein Ort, an dem wir mit dem HAU1, HAU2, HAU3 über drei Spielstätten mit höchst unterschiedlichen Raumsituationen verfügen. Wir haben nicht nur die Wahl, wenn es um die Frage geht, welcher ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Reale Utpoien, Seite 20
von Annemie Vanackere
Was die Sehnsucht, Theater zu spielen, nährt? Mit welcher Verheißung das Theater verführt – was das ganze «Theater» soll, was es können sollte? Das zu beschreiben, braucht es eine Geschichte, die Geschichte von den blauen Tüchern.
Vor vielen Jahren, mit einem Freund auf einer Fahrt durch die marokkanische Wüste, stand winkend ein alter Mann am Ausgang einer...
Der Zustand der Theater ist Ausdruck der Gesellschaft, von der sie unterhalten werden. Ästhetisch. Strukturell. Organisatorisch. Wie sollte es auch anders ein. Das ist weder gut noch schlecht, das ist einfach so, wie es ist. Das Personal, die ästhetischen wie politischen Programme bilden ab, wie es um die Macht- und Verteilungsverhältnisse in Deutschland, in...
1. Wald
Wir haben zwar keine Zahlen zur Hand, aber durchaus ein gewisses Bewusstsein davon, was zu viel ist, was nicht sparsam ist auf einer Bühne. Und immer, wenn wir so etwas sehen, lehnen wir es instinktiv ab. Zum Beispiel neulich im Schauspiel Stuttgart den riesigen Wald, der überraschend vom Bühnenboden heruntergelassen wurde – für gefühlte drei Minuten einer...
