An der Wir-Basis
Wer sich an Elfriede Jelineks Flüchtlingsklage «Die Schutzbefohlenen» wagt, hat im Grunde gar keine Chance, mit weißer Weste aus der Inszenierung hervorzugehen. Schließlich besteht die luzide Qualität des Textes gerade darin, die europäische Debatte um Asylsuchende, Grenzschutzpraktiken à la Frontex und moralisches versus paragrafisches Asylrecht angemessen dilemmatös auf den Punkt zu bringen.
Was, zum Beispiel, schon damit beginnt, dass Jelinek – die Besetzung der Wiener Votivkirche durch Flüchtlinge im Herbst 2012 auf der Folie der Aischyleischen «Schutzflehenden» gewohnt ausgreifend ins Grundsätzliche weitend – als Quasi-Vertreterin der europäischen Gated Community Europa weite Textstrecken aus der Perspektive eines Flüchtlings-Wirs bestreitet.
Nicolas Stemann hatte genau dieses Dilemma in seiner Uraufführung (siehe TH 07/2014) zum Thema gemacht, Jelinek nötigenfalls auch mal ein paar Millimeter weiter (oder auch gegen Jelinek) gelesen und die Flüchtlingsproblematik mit ihrer (Nicht-) Darstellbarkeit im Repräsentationsmedium par excellence zu einer Art Metatheater des strukturellen Scheiterns zusammengedacht.
Der Flüchtling als Pappaufsteller
Verglichen damit plagen den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Februar 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Christine Wahl
Unheimlich ist es heimzukommen. Zumindest für die gefeierte Pianistin Charlotte, die nach sieben langen Jahren ihre Tochter Eva besucht. Zurückgezogen lebt diese mit ihrem Mann, einem Pfarrer, und ihrer älteren Schwester auf dem Land, während die Mutter mondän in der Welt gewesen ist. In diesem Heim am Ende der Welt sind es nun Geister der Vergangenheit, die...
Personen
Die Junge (30)
Die Mittlere (50)
Die Alte (90)
4 SCHWESTERN
(die Hundsmäuligen)
Das Beil, das Männer mordet, reiche mir einer rasch!
(Klytaimnestra)
Drei Betten, für Die Junge, Die Mittlere, Die Alte, und also wie drei Häuser und zugleich die Schließanstalten, in welchen die vier hundsmäuligen Schwestern diese Betten zu bewohnen pflegen...
Mit der Eintrittskarte zum Theaterprojekt «The Cherry Orchard» erhalten die Besucher einen weißen Mundschutz. In Tokio sind diese Masken alltäglich, nicht nur in der Grippezeit und im Verkehr. Auffallend viele junge Frauen, aber auch Männer schützen sich damit – nicht nur vor Abgasen und Viren, sondern auch vor Blicken. Manche sparen mit der Maske auch das Make-up,...
