Seminar der Frustrierten
Auch Kathrin Rögglas letztes Stück «Die Beteiligten» befasste sich mit einer ausgefallenen Jobsituation, der sie Verallgemeinerungsfähi-ges (zum Politikgeschäft) ablauschte: Simultandolmetscher. Für Kassel hat sie sich jetzt eine Gruppe von Menschen vorgenommen, die als NGOs, Entwicklungshelfer oder Corporate Internationals im Ausland gearbeitet haben, jetzt aber zurückgekehrt sind. In der Regel nicht freiwillig, sondern weil ihr Vertrag auslief, die alten Eltern Betreuung brauchten, ein Projekt zu Ende war.
Die fingierte Situation ist ein Seminar, das ihnen die Wiedereingliederung erleichtern
soll, die Seminarleiterin Sandra selber eine unwillig Heimgekehrte. Das Publikum wird als schweigende Seminarteilnehmer angenommen; auf der Bühne Knut, ein «Sozialsöldner», der nie zurückkehren möchte; Dirk, der als Agraringenieur beim DED (Deutscher Entwicklungsdienst) in Ecuador war, wo er seine Fau fand. Die Ehe überlebt die Rückkehr nicht, erst nannte seine Fau ihn einen Sesselpuper (er «evaluiert» jetzt Entwicklungsprojekte), dann verschwand sie wieder nach Ecuador. Maren war WHO-Länderdirektorin, betrachtet Entwicklungshilfe nicht moralisch, sondern «systemisch», ist aber jetzt zur ...
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Theater heute November 2011
Rubrik: CHRONIK, Seite 52
von Barbara Burckhardt
Neulich hat ein Wiener Philosoph wieder eine Kulturrevolution ausgemacht. Seit Mitte der Neunziger beobachtet Robert Pfaller einen öffentlichen «Beleuchtungswechsel». Dabei geht es um die ziemlich zentrale Frage, «wofür es sich zu leben lohnt», und vor allem um bedeutende Verschiebungen, was die allgemein akzeptierten Antworten betrifft: «Objekte und Praktiken wie...
Die Welt ist eine weiße Scheibe mit Absturzgefahr. Rausgebrochen aus einem Stück Himmel, das wie ein Heiligenschein über der Bühne schwebt (Bühne Claudia Kalinski). Alleinherrscher auf dieser Scheibe ist Minister von Walter (Moritz Dürr) als Stellvertreter des gottgleichen Präsidenten, der nie da ist, wie Sekretär Wurm (Oliver Simon) mit Blick nach oben anmerkt....
Was will er denn?, fragt sich nicht nur der junge Staranwalt, der diesen Aaron verteidigen soll. Eigentlich sitzt der antriebsarme Bursche daheim bei Papa und Mama ja wie eine Made im Speck, warum also hat er sich als Ort seiner Sitzblockade jetzt ausgerechnet eine Gefängniszelle ausgesucht? Gönnt der junge Mann sich gerade die erste Lebenskrise, oder weiß er noch...
