Wir hier drinnen, ihr da draußen
Es beginnt schon im Programmheft zu Laurent Chétouanes Büchner-Inszenierung. Zwei Texte von Roland Barthes kreisen darin um den Zustand der Erschöpfung, des fundamentalen Überdrusses, davon, «von unserer Lebensweise, unserem Verhältnis zur Welt genug zu haben. ... Alles wiederholt sich, alles dreht sich im Kreis: die gleichen Aufgaben, die gleichen Begegnungen, aber ohne innere Beteiligung, selbst wenn jedes einzelne Stück dieses Programms erträglich oder gar angenehm ist.
»
Analogien zu diesen Tschechow-affinen Sätzen finden sich zahlreich in «Dantons Tod», Büchners Drama der in den Terror weggeglittenen französischen Revolution und der letzten vierzehn Tage des Gemäßigten Danton, den die Hardliner des Umsturzes aufs Schafott bringen wollen: «Ich müsste schreien; das ist mir der Mühe zuviel. Das Leben ist nicht die Arbeit wert, die man sich macht, es zu erhalten.»
Die zweieinhalbstündige Fassung, die Chétouane und sein Dramaturg Jan Hein aus Büchners fünfaktigem Drama herausdestilliert haben, ist eine Engführung in die Daseinsermattung: getrieben allein vom Interesse an jenem Moment der Verweigerung Dantons im zweiten Akt, der nur noch nach Ruhe verlangt. Der sinnliche ...
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Thomas Assheuer Herr Haneke, für Ihren Film «Das weiße Band» sind Sie mit Lob überschüttet worden, in Cannes gab es 2009 dafür die Goldene Palme, und den Europäischen Filmpreis haben Sie auch bekommen. Vor allem für die Kinderszenen hat man sie gefeiert. Wie haben Sie die Kinder gefunden?
Michael Haneke Es war viel Arbeit. Wir wollten ja nicht nur begabte Kinder...
Einen grundsympathischen Parzival hat sich Lukas Bärfuss frei nach Wolfram von Eschenbach da ausgedacht: ein ordentlicher Zivilisations-Bildungsweg in zehn Szenen, der vom Kaspar-Hauser-Schicksal des in der Einöde aufgewachsenen Kindes über diverse Rittergroßtaten zur Gralsherrschaft führt, die man gut protestantisch erst durch Verzicht erreicht.
Einer, der die...
Es ist zum an die Wand springen. Da hat man mal einen vernünftigen Selbstmordgedanken, aber kein brauchbares Hilfsmittel, um ihn umzusetzen. Der adoleszente Alkoholiker Darko ist ein widerwillig Überlebender, der nur manchmal und viel zu kurz die Courage zum Suizid hat, sonst aber gern andere dazu ermutigt. Zum Beispiel Ulrike, die irgendwann vom Hochhaus springt....
