Der Geist von Avignon
Untröstlichkeit. Das wird es am Ende gewesen sein. Wenn das verlorene Häuflein Marthalerseelen den Papstpalast von Avignon wieder verlässt, wie es ihn betreten hat: verschupft, sagt man in der Schweiz schön treffend, von allen guten Geistern verlassen, ein wenig armselig, verloren in Raum und Zeit. Da ziehen sie sich zurück in den klapprigen Lieferwagen, mit dem sie hergekarrt wurden, unter der unkundigen Führung von Graham F. Valentine und ein Haydn-Quartett auf den summenden Lippen, nebenbei genau dasselbe wie 1999, als sie als «Spezialisten» in Hamburg zum Überlebenstanztee baten.
Erobern sieht anders aus.
Christoph Marthaler war «Artiste associé» des Festivals von Avignon, künstlerischer Berater mit Verantwortung für einen Teil der Programmauswahl und, in erster Linie, die Eröffnungspremiere im Papstpalast. Es ist nicht immer ratsam, eine Premiere zu besuchen. Ich habe «Papperlapapp» zwei Mal gesehen, zehn Tage lagen dazwischen, und es waren zwei deutlich verschiedene Abende. Wo bei der Premiere Zuschauer lärmend die Tribünen verließen, gab es nun Szenenapplaus. Was zunächst für peinliche Reaktionen sorgte, etwa der Slapstick mit sich hebendem und senkendem Sarkophag, wieder ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein Prometheus heute, ganz und gar Gegenwart und Zeitgenosse? Gut zweitausendfünfhundert Jahre nach Aischylos «Prometheus gefesselt» in drei Versionen in drei Städten zu produzieren, in Athen sowie den diesjährigen Kulturhauptstädten Istanbul und Essen, scheint – Prometheus Sequel I – III – nicht ohne Reiz. Doch dass man die Erwartungen auf die Produktionen der...
Seht euch diese Augen an, riesige Puppenaugen, die schläfrig, mild und traurig in die Welt blicken. Sie schauen aus riesigen Schwellköpfen, die die Figuren aus Lukas Linders «Die Trägheit» tragen, so dass der Rest ihres Körpers unverhältnismäßig klein und putzig wirkt, wenn sie etwa mit den Händen in die Luft greifen oder die Beinchen regen. Menschen am Rande des...
Haben Sie sich schon überlegt, wie die Zukunft des Theaters aussehen wird? Das ist die große Frage, mit der ich mich heute beschäftigen möchte. Und jemand, der sich darüber schon Gedanken gemacht hat, war ein ganz bekannter Physiker, der nannte sich John Richard Gott der III. (der heißt tatsächlich so), und er hat nicht nur die Zukunft des Theaters sich sozusagen...
