Wovon man nicht sprechen kann, davon muss man summen
Das gibt es also: den geplanten Zufall. Nichts Beiläufigeres, Unangestrengteres, scheinbar Planloseres auf Erden und der Bühne als Ruedi Häusermanns stilles Geräuschetheater, Sinfonien aus Surren und Sirren, Gurren und Girren, Zirpen und Zupfen, als hätte sich ein freundlicher Tinnitus zum Weltgeräusch aufgeschwungen.
Und doch liegt dem allen ein zweifellos göttlicher Plan aus Menschenhand zugrunde, und Häusermann, ein Verschlüssler ohne die Arroganz des Hermetischen, gibt diesen Plan im Hannoveraner Programmheft zu «Gewähltes Profil: Lautlos» offenherzig preis – eine pastellbunte Collage, ein minutiöser Ablaufplan, der die präzise Organisation des scheinbar Zufälligen zum Gesamtkunstwerk aus Tönen, Licht und Bewegung beschreibt. Da liegen säuberlich auf Zeitachsen nebeneinander das Jodeln und der Schlafanfall, der Qualm und der Bienenstock, der Stuhltanz, das Tonfischen und die Wundertulpe, und für den, der’s nicht glauben mag, steht fett darunter das Gütesiegel: «Garantiert kein Schwindel!»
Immer wieder einmal hat sich der Schweizer Häusermann, ein Weggenosse und Bruder im Geiste Christoph Marthalers, für seine skurrilen Weltentwürfe von der Wortwelt verwandter Seelen der ...
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Als 1808 die berühmten Hofschauspieler der «Comédie Française» die versammelten Monarchen des Erfurter Fürstenkongresses mit ihrem Spiel zerstreuten, mussten sie noch mit dem später Kaisersaal genannten Ballhaus vorlieb nehmen. Erst 1877 leisteten sich die Erfurter Bürger ein veritables Theatergebäude, mit immerhin 1150 Plätzen, aber noch ohne eigenes Ensemble....
Wann geht das los? Jung muss man erst werden. Es kann nicht sein, dass das mit der Geburt schon beginnt. Wenn die Hebamme der Mutter ihr Neugeborenes an die Brust legt und statt: Das ist aber ein schönes Baby! sagt: Das ist aber ein junges Baby!, dann vergreift sie sich in der Wortwahl. Auch was bald danach kommt, die Kindheit, kann nicht herhalten für das, was...
Sie möblieren sich ihre Verzweiflung mit einer gemütlichen, potthässlichen Eckcouch-Garnitur, tänzeln am Abgrund ihrer Existenz verzweifelt leichtfüßig wie Hochseil-Akrobaten, sie bewältigen ihre (im Knast) abgesessene Vergangenheit im Schluckspecht-Tempo und betrügen sich mit grellen Wunschvorstellungen um ihre Zukunft – sie sind überhaupt ein paar ganz tolle...
