Thüringer Tristesse
Es geht los mit einer Diashow (Kinderurlaubsbilder an der Ostsee) über einem Plateau von etlichen Tischen mit Tischdecken von vor dreißig Jahren, entsprechende Musik dazu. Doch der Retro-Dreh (Ausstattung Tom Musch) hat seinen Haken. Nie weiß man in dieser Inszenierung, wo sie zeitlich verortet ist und wessen Erinnerungsimagination hier auf dem Spiel steht.
«Hafen der Sehnsucht» ist ein Stück, das sich Armin Petras in erster Linie für eine Gastregie am Stary Teatr Krakau letztes Jahr schrieb, wo das Stück freilich mit der in Polen sehr bekannten Vorlage, Marek Hlaskos Erzählung «Der achte Tag der Woche», auf überraschend gegenwärtige Weise korrespondierte (vgl. TH 2/06). Dieser Kontext fehlt hier, und so versucht die Regie Uta Koschels auch eine etwas andere, in die deutsche Provinz verlegte Geschichte zu erzählen, nämlich die des Ausbruchs der Studentin Agnes aus ihrem familiären Milieu.
Der Vater ist ein arbeitsloser Sportlehrer (Rayk Gaida), die Mutter eine resignierte Küchenexistenz (Verena Blankenburg), der Bruder ein früh Gescheiterter (mit das Retroambiente störenden Dreadlocks – Gabriel Kemmether), der Freund ein wenig sensibler Bursche mit Knastvergangenheit (Oliver ...
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Ibsens Auferstehung: Heddas und Noras auf fast allen deutschen Bühnen. «Absturzängste des Bürgertums» seien aktuell, sagt Thomas Ostermeier, der Protagonist des Ibsen-Revivals. Nun stürzt das Bürgertum schon seit 100 Jahren ab. Sein Überleben könnte also von seinen Absturzängsten verursacht sein und Ibsens dauerhafter Erfolg von der hartnäckigen, alternativlosen...
Gegen das Vergessen!» – so lautete einst der Leitgedanke der künstlerischen Auseinandersetzungen mit Faschismus, Holocaust und dem Zweiten Weltkrieg. Es ist ein Appell, dem die bleierne Zeit der fünfziger Jahre wie ein Negativabdruck eingeschrieben ist, weil sich das Ausrufezeichen gegen eine Gesellschaft wandte, die sich nicht erinnern wollte – zum übergroßen Teil...
Irgendwann am Eröffnungsabend sagte der neue Intendant, er wolle «kein hippes Theater» machen. Mit Blick auf das Mitte-Völkchen aus Kunst, Politik und Journaille, das sich währenddessen im lichtergeschmückten Garten des Maxim Gorki Theaters tummelte, zwischen zehn Premieren an sechs Spielorten hin- und herschwirrte und sich pudelwohl zu fühlen schien, klang das...
