Spiel, Satz, Sieg
Wie viel Handke passt in 100 Minuten Theater? Reichlich. Auch wenn Michael Simons Version des «Spiels vom Fragen» nur etwa ein Drittel der Zeit beansprucht, die sich Claus Peymanns Uraufführung 1990 nahm, erhalten Simon und Dramaturg Tilmann Neufer das Wesentliche. Denn sie nehmen den Titel angenehm wörtlich und entwickeln aus dem als überfrachtet, verstiegen und allzu sprachverliebt geltenden Stückmassiv ein abwechslungsreiches, anregendes, oft amüsantes Spiel.
Ihre Vorgehensweise: eindampfen, aber maßstabsgetreu.
So bleibt erstens Handkes symmetrische Personalaufstellung erhalten: Da sind der daueroptimistische Mauerschauer (Timo Tank) und der miesepetrige Spielverderber (Sebastian Kreutz), die junge Schauspielerin (Annika Martens) und der sie umwerbende junge Schauspieler (Andre Wagner), das alte Paar nach langem gemeinsamem Leben (das sich dabei so ähnlich geworden ist, dass es hier von Teresa Trauth in Personalunion dargestellt werden kann) und der weltfremde Tor Parzival (Ursula Grossenbacher), dem die freie Rede – und somit gemäß Handke der freie Blick auf die Welt – durch Phrasenschrott im Hirn versperrt ist, wovon ihn der urwüchsig unverstellte Einheimische (Wolfgang ...
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Viel Unglück für Ursula, Anfang 60, alleinstehend, kinderlos. Abends wird sie von ihrer unerbittlich geselligen Mutter terrorisiert, mittags von der netten Kollegin Sabine niedergeredet. Zwischendurch flieht sie in erotische Fantasien mit Harald, ihrem ersten Freund. Dann stirbt die Mutter, und Ursula wird arbeitslos. Folgt ein freudloser Urlaubsversuch und eine...
Nein, hatte Ozan vor zwei Jahren gesagt, er könne doch jetzt keinen Gemüseladen oder eine Döner-Bude in der Stadt aufmachen. Aber was solle er tun? Damals stampfte er bei diesen Sätzen mit den Füßen auf, vor Kälte und auch vor Wut. Die Hände streckte er in Richtung der Flammen, die aus den verrosteten, zu Öfen umgerüsteten Benzinfässern züngelten: «Auswandern...
Schon beeindruckend, wie zwei leidenschaftliche Präzisionsschauspieler auf freier Bühne eine große Nummer bauen: Wie Samuel Finzi den Köder seiner vollgepissten Bierflasche mit pubertärer Erwartungsfreude auslegt, und Wolfram Koch gekonnt ziellos draufzustolpert, wie er das Gesöff lustvoll in sich hineinlaufen lässt und sich der Ekel zeitversetzt wie kleine...
