Der Publikumsbeschimpfer
Die Theaterkarriere des Peter Handke begann mit einem Coup. Gleich das Debütstück des 23-jährigen Autors, «Publikumsbeschimpfung», schrieb Theatergeschichte. Als es im Juni 1966 im Theater am Turm uraufgeführt wurde, war Handke noch ziemlich unbekannt; sein erster Roman («Die Hornissen») war noch gar nicht erschienen. Kurz vor der Premiere hatte er auf einer Tagung der Gruppe 47 in den USA allerdings mit einer frechen Rede auf sich aufmerksam gemacht.
Eine «mädchenhafte Gestalt», wie damalige Chronisten den langhaarigen jungen Mann wahrnahmen, meldete sich zu Wort und hob mit dünner Stimme zu einem Generalangriff an: «Ich bemerke, dass in der gegenwärtigen deutschen Prosa eine Art Beschreibungsimpotenz vorherrscht.»
Auszüge aus der viel zitierten Rede kann man in der Handke-Ausstellung des Österreichischen Theatermuseums im Originalton hören. Die Ausstellung heißt «Die Arbeit des Zuschauers», so wie ein 1969 für «Die Zeit» geschriebener Text von Handke, in dem dieser unter anderem seine Eindrücke vom Berliner Theatertreffen niederschrieb. Auch dabei nahm er kein Blatt vor den Mund. «‹Die Räuber› sind ein sehr dummes Stück», notiert er etwa. Oder: «‹Philoktet› von Heiner Müller ist ...
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Theater heute März 2013
Rubrik: Magazin: Ausstellung, Seite 60
von Wolfgang Kralicek
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