Neue Stücke
Ein Leben als Heldin ist nicht so einfach für jemand, der aus Neuss stammt. Das Mittelmaß der Mittelstadt von der anderen Rheinseite führt am Düsseldorfer Schauspielhaus in Martin Heckmanns’ Stück «Hier kommen wir nicht lebendig raus. Versuch einer Heldin» zu einem Lebensentwurf, in dem «Schmerz besser ist, als nie
gelebt zu haben». Hermann Schmidt-Rahmer inszeniert. Auch Juli Zeh hat für D’dorf mit «Good Morning, Boys and Girls» ein Stück über das desaströse «Entkommen aus einer restlos besetzten Welt» geschrieben: im Amoklauf, in Gang gesetzt durch Stephan Rottkamp.
Ein paar Kilometer weiter in Essen geht man mit der triebgesteuerten männlichen Jugend gnädiger um. Jakob Heins ironischen Roman «Liebe ist ein hormoneller Zustand» um Liebesnot und Triebstau setzt David Bösch
in Szene. Sebastian Nübling hat sich fürs Grillo-Theater von Simon Stephens Alfred Jarrys «Ubu» weiterdichten lassen und bringt den Terror-Roi endlich vor Gericht. Das tägliche Einerlei und seine potenziellen Abgründe nimmt
in Dresden Jan Neumann in den Blick. In seiner Stückentwicklung «Gott allein» blickt er in einer Plattenbausiedlung in die vier von hundert Fenstern, in denen nachts noch ein Lichtlein ...
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Für einen war die bisherige Spielzeit schon mal ergiebig: Bertolt Brecht. Sein Lehrstück in Sachen Spekulation und Menschenliebe, die «Heilige Johanna der Schlachthöfe», avancierte zum Krisengewinnler der schon nicht mehr ganz frischen Saison – und steht diesen Monat wieder in der Regie von Frank Abt auf dem Spielplan des Jungen Theaters in Göttingen. Das Hamburger...
Der Mauerfall war der mediale Dauerfall letztes Jahr. Dass sich aus der Masse der immergleichen «Wahnsinn!»-Konserven und Mauermelodramen noch einmal etwas Neues, gar Überraschendes herausholen lässt, war eigentlich nicht zu erwarten. Der 1970 in Magdeburg geborene Thilo Reffert aber hatte den wunderbaren Einfall, ein wohl legendäres Ereignis seiner...
In René Polleschs Volksbühnen-Produktion «Ich schau dir in die Augen, gesellschaftlicher Verblendungszusammenhang!» stellte Fabian Hinrichs den Zuschauern kürzlich eine vielversprechende Entlastungsmaßnahme in Aussicht: «Der Schauspieler geht nach der Vorstellung mit Ihrer Frau nach Hause; dann müssen Sie das nicht tun!» Allzu weit scheinen sich die Vorteile dieses...
