Der Aufmerksamkeitsterrorist
Es gibt natürlich eine Webseite. Auf www.die-leiden-des-jungen-werther.de kann man sich die Briefe des längst tot Geglaubten als Mail schicken lassen, täglich oder – zur Wahrung des Zeitgefühls – den datierten Abständen folgend. Ein Hauch von «norway.today» durchweht den Klassiker. Man kann auch Seiten suchen, die Werther und Kurt Cobain in einen Zusammenhang bringen: Google spuckt 11.000 mögliche Fundstellen aus. Terrordrom-Autor Tim Staffel hat sich mit dem Werther beschäftigt und natürlich Nicolas Stemann. Und, ach ja, André Eisermann hat mit ihm ein Hörbuch besprochen.
Wer redet da noch von Plenzdorf?
Einfach macht er einem die Sache dennoch nicht, dieser Werther, dieser (freiwillige? mutwillige?) Außenseiter, der in einem Augenblick die schönsten, innigsten Zeilen schreibt, im nächsten aber mit seiner hochtrabenden Eitelkeit und Ich-Fixiertheit unerträglich wird. Der Lotte liebt und die Kunst – oder doch nur sich selbst? Der sich umbringt, und man weiß nicht, war das nun wirkliche Verzweiflung oder wieder eine Inszenierung oder beleidigte, rechthaberische Rache? Man kann diesen Kerl bewundern, auch schätzen, vielleicht sogar lieben – zu einem Helden kann man ihn eigentlich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Premiere in Aalen, «Dilldap» am Sonntagnachmittag im Dezember, hin mit den Kindern, in die Märchenkomödie von Dorst und Ehler mit Igel, Schnecke, Perlhuhn und natürlich einem Riesen, mit vielen, vielen Rollen und Verkleidungen. Doch «Dilldapp» in Aalen war einfach Brentanos Märchen. Um, in und unter einem schön schief gezimmerten Kasperlehäuschen spielten sich...
Natürlich ist ein behindertes Mädchen, das als Tor zur Welt gerade das «Ficken» entdeckt hat, eine Überforderung für ihre Umgebung. Vor allem, wenn sie sich weigert, die Pille zu nehmen. Das ist in Gießen auch nicht anders als in Basel, Stuttgart oder Hamburg. Solange Dora Psychopharmaka bekommt, thront sie stumpf auf einem Stapel Metallkoffer, stiert ins Leere und...
Es war wie beinahe jedes Jahr. Als die siebenköpfige Jury des Theatertreffens Ende Februar nach eines langen Tages Diskussionen über ihre Favoriten aus 300 Inszenierungen landauf, landab erschöpft auf das «Tableau» der Einladungen blickte, sah sie: 2 x Berlin, 2 x Hamburg, 2 x Münchner Kammerspiele, 2 x Zürich, 1 x Wiener Burgtheater und, immerhin, 1 x Hannover....
