Jenseits des Offiziellen
Es gibt eine Spur in der deutschen Dramatik, die ins Dunkle zieht. Auf ihr kann man den «Schattenwesen» begegnen. Unruhige, schemenhafte Gestalten, gebückt oft oder zusammengekauert, in Angststarre gebannt oder auf der Flucht. Büchners Woyzeck, Hauptmanns Mutter Wolffen oder Bruno Mechelke aus den «Ratten» sind solche Gestalten. Ihre Autoren erzählen von Menschen, die in den Schattenzonen am Rand der Gesellschaft existieren. Die einen kämpfen ums Überleben, andere sind auf der Suche nach «einem – kleinen – bisschen Glück».
Solche Menschen sind es, denen Claudia Grehn in ihrem Theaterstück «Ernte» intensive poetische Momentaufnahmen schenkt.
Anna hat sich entschieden. Sie will ihr Nomadenleben aufgeben und nicht länger zwischen ihrer Familie in Polen und dem Erntejob in Deutschland hin- und herziehen. Denn Anna ist schwanger. Sie wird ihren polnischen Lebenspartner, den Trinker Marek, verlassen und mit ihrem deutschen Freund Peter ein friedliches Leben beginnen. Ihre erwachsenen Söhne Pawel und Sascha hat sie ohne Vater großgezogen. Der war Russe und schon im Kommunismus kriminell. Der siebzehnjährige Sascha kommt eher nach dem Vater und wehrt sich exzessiv gegen die Trostlosigkeit ...
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Theater heute Jahrbuch 2010
Rubrik: Die neuen Stücke der Spielzeit, Seite 176
von Andrea Koschwitz
Die deutschsprachige Dramatik ist nicht gerade reich an gelungenen Komödien. Sei es, dass der deutsche Humor zu schwerfällig ist, dass es hierzulande zu wenig zu lachen gibt oder dass der Komödienautor als Leichtgewicht unter den Künstlern gilt. Jenseits des Boulevards hat es die Komödie nicht leicht. Brechts Versuche waren meist heitere Lehrstunden, die von Frisch...
Thomas Arzt ist 27. Er kommt aus Oberösterreich und ist in einem Dorf aufgewachsen. 2000 Einwohner hat es, und Theater war dort, auf dem Land, mehr als genug. Da gab es eine Laienbühne, an der der Großvater eine große Rolle spielte. Es gab einen Saal mit Drehbühne, einen Fundus und viele schöne Geschichten. Und wenn andere einen Dachboden ihr Refugium nennen...
Noch immer sorgt das Bild im Pariser Musée d’Orsay für leichte Irritation, wenn der Blick des von einem zum anderen Bild schreitenden Betrachters plötzlich zwischen zwei geöffnete Schenkel fällt, zwischen denen die Lippen sichtbar, der Spalt der Klitoris erkennbar, der behaarte Schamhügel einer Liegenden sich ihm entgegenwölbt. Eine Nahsicht, naturgetreu...
