Ein Wald voll Grauen
Denn Kunst und Sinnen hat Schmerzen / Gekostet von Anbeginn.» Kann ich noch auswendig, von früher. Steht in einem Turmgedicht, von Hölderlin. Die Kunst von gestern heißt ja heute Kunstkunst, so wie man Tanztanz sagt, wenn man über Tanz mit synchronen Bewegungen sprechen will, über Tanztheater, Ballett oder sonstwas Virtuoses. In meiner Erinnerung opferte man sich für die Kunstkunst noch vorbehaltlos auf, leidenschaftlich und lückenlos.
Stellte das eigene Leben, Empfinden, Bedürfen, mitunter sogar die eigene Würde hintan und in den Dienst der Sache, der Kunst, des Kunstkünstlers (oder weit seltener: der Kunstkünstlerin). Privat war bourgeois, intim wurde es vor allem vor allen anderen, und bestenfalls ging’s an Eingemachte. So peinvoll, demütigend und finster war es noch bis Ende des 20. Jahrhunderts. Auf Einzelschicksale konnte da beileibe keine Rücksicht genommen werden.
Als ich vor einigen Jahren Intendant wurde, waren solche Zeiten freilich längst vorbei – zumindest in fortschrittlichen Institutionen wie dem Künstlerhaus Mousonturm in Frankfurt, wo ich arbeite. Ich erhielt Bewerbungen, in denen oft schon im ersten Absatz auf die Relevanz einer angemessenen Work-Life-Balance ...
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Theater heute Jahrbuch 2019
Rubrik: Künstler Positionen, Seite 10
von Matthias Pees
B
Clare Barron
Dance Nation (Schauspiel Hannover)
Sarah Berthiaume
Nyotaimori (Theater Osnabrück)
Alice Birch
Anatomie eines Suizids (Deutsches Schauspielhaus Hamburg)
Frederik Brattberg
Wieder da (Schauspiel Frankfurt)
C
Mustafa Can
Die Farbe des Morgens an der Front (Theater Paderborn)
Ebru Nihan Celkan
Last Park Standing (Schauspiel Stuttgart)
Tim Crouch
Ich, Malvolio...
Torsten König war das Licht in all meinen Inszenierungen an der Volksbühne. Er ist in Warnemünde mit dem Fahrrad verunglückt, am helllichten Tage, niemand hat es gesehen und konnte bezeugen, was geschehen ist. So wie ich ihn bei der Arbeit gar nicht bemerkt habe. Er hat parallel zu unseren Proben geleuchtet. Es war so selbstverständlich und erstmal unauffällig....
Als ich für mein Studium von Salzburg Land nach Hamburg zog, hatte mein Kulturschock Ausmaße einer schwindelerregenden Identitätskrise, die mich in eine depressive Dauerverwirrung stürzte. Den einen kulturellen Unterschied, den das 18-jährige Bauernmädchen, das ich war, aber sehr klar sehen und sofort freudig wertschätzen konnte, war die Qualität der...
