Der Anfang vom Ende
Der römische Feldherr Titus Andronicus hat bekanntlich schon einiges hinter sich. Siegreich aus der Schlacht gegen die Goten zurückgekehrt, verhilft er erst dem falschen Politkarrieristen zur Kaiserkrone und setzt dann mit der rituellen Opferung des ältesten Gotenkönigssohnes eine bilaterale Splattertragödie in Gang, die fast seine komplette Familie auslöscht. In Dresden gesellt sich zu all diesem Unheil jetzt noch ein besonders heimtückischer Feind hinzu: Hart kämpft Titus in Jan Klatas Inszenierung mit dem Discotrash der 80er Jahre.
Slice me nice
Gut: Zunächst dröhnt gediegener Heavy Metal durchs Kleine Haus des örtlichen Staatsschauspiels, während Wolfgang Michalek als titelgebender Feldherr Stück für Stück die Särge seiner 21 gefallenen Söhne aufs Szenario wuchtet. Die überlebenden Kollegen flankieren diese Zwanzig-Minuten-Aktion mit einer Art Military-Choreografie, die offensichtlich nach Einar Schleef schielt, aber auch ziemlich lückenlos zum Hintergrundtanz bei Lady Gaga aufschließt. Später, wenn Titus den verschlagenen Saturninus (Stefko Hanushevsky) auf den römischen Thron gehievt hat, hebt die kriegsgefangene Gotenkönigin Tamora (Ewa Skibinska) zwecks Eheanbahnung ihr ...
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Theater heute November 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Christine Wahl
Bescheidenheit ist keine Zier. In der Kunst jedenfalls nicht. Und wir hatten in den letzten Jahren genug Anlässe, uns über die pragmatische Selbstbescheidung der Absolventen der Szenisches-Schreiben-Ausbildungsgänge zu beklagen, die in Serie 90-Minüter mit höchstens vier Figuren und einem höchst überschaubaren Themen- und Problemspektrum für die Studiobühnen...
Nein, es war kein Nachwuchsfestival, diese dritte Boxenstopp-Reihe, und am Ende wurde es sogar richtig alt. Drei arrivierte Autoren, Esther Becker, Carsten Brandau und Anja Tuckermann, hatte die Jury zum Deutschen Kindertheaterpreis und Deutschen Jugendtheaterpreis ausgewählt für ein Stück-Stipendium. Die Ergebnisse waren Anfang Oktober im Theater der Jungen Welt...
In Frankfurt, wo Hochhäuser und Baukräne an den Himmel stoßen, der Euro dieser Tage immer wieder gerettet werden muss, das Elend vor der EZB kampiert – wo wenn nicht hier, ist heutzutage Faust-Land?
So oder so ähnlich hat es sich vielleicht eine Dramaturgin, vielleicht der Chef persönlich beim Blick aus dem Frankfurter Schauspielhaus gedacht. Das möchte man sich...
