Doppeltes Leid
Die Familie als Nährboden von Zwang, Gewalt, Missbrauch. An diesem Abend präsentiert sich die soziale Institution gleich zweimal von ihrer schlimmsten Seite. Da ist zunächst die Bauernfamilie Staller, die nebst Knecht das quadratische Podest einnimmt, das Bühnenbildner Oliver Helf auf der großen Bühne der Nord-Spielstätte des Stuttgarter Schauspielhauses aufgebaut hat. Auf dem Podest die Andeutung einer engen Bauernstube, darin die vier Figuren, jede an ihrem eigenen Tisch.
Im ersten Teil seines Doppelabends zeigt Regisseur Stephan Kimmig anhand von Franz Xaver Kroetz’ Frühwerk «Stallerhof» mit viel Präzision ein in allen Belangen beschränktes Milieu. Man lebt zusammen, aber nicht miteinander. Sprache und Empathie sind bei den Bauersleuten (Sebastian Kowski, Marietta Meguid) auf ein Minimum reduziert. Fast zwangsläufig finden die Erniedrigten und Beleidigten zueinander: der Knecht Sepp und die geistig behinderte Stallertochter Beppi. In Kroetz’ kritischem Volkstheater bleibt es nicht bei der anfänglichen Freundschaft, der ältere Mann vergeht sich an dem hilflosen Mädchen und schwängert es – an der heiklen Konstellation des Stücks hat sich 40 Jahre nach der Uraufführung nichts ...
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Theater heute Dezember 2012
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Marius Nobach
Nein, «der Frank» habe damit nichts zu tun, meint Hendrik Arnst alias Jaroslaw Iljitsch alias typischer russischer Kleinbürger voll bauernschlauer Schlitzohrigkeit ganz zum Schluss. Der Frank sei ein alter Mann und sowieso seit drei Jahren in Bayreuth, wo die Opern-Welt im Sommer Castorfs «Ring» erwartet.
Ganz so unbeteiligt wird Frank Castorf an seiner jüngsten...
Es war einmal ein Kind, das wollte endlich mal auch zu Wort kommen, d.h. es war eigentlich kein Kind, aber in Zeiten vor der großen Krise wurde so jemand Kind genannt. Man sagte ihm, es solle erst einmal wirklich zuhören lernen. «Kann ich doch!» entgegnete es seinen Eltern, die eigentlich nicht seine Eltern waren, sondern was anderes, aber die glaubten ihm ohnehin...
«Shakespeare. Spiele für Mörder, Opfer und Sonstige» nennt Dimiter Gotscheff seine neueste Inszenierung. Mörder und Opfer bei Shakespeare sind bekanntlich ein weites Feld – aber Sonstige? Mal sehen, hoffentlich nicht unter Sonstiges.
Wenn Thomas Schmauser auf der Bühne von 1 bis 52 zählt (derzeit an den Münchner Kammerspielen in «Gesäubert» von Sarah Kane),...
