Wo der Zug durchfährt
Zurücktreten bitte, eine Zugdurchfahrt» – mehrmals in der Stunde werden die vielen Züge angekündigt, die durchs brandenburgische Wittenberge fahren. Sie halten nur selten an. Die Stadt erscheint auf den ersten Blick als geeignetes Labor, sich dem Leben im Umbruch zu nähern, denn hier zog mit der Wende die nachindustrielle Ära jäh ein. Auf einen Schlag waren zahllose Menschen ohne Arbeit. Ein Drittel verließ die Stadt.
Was ein solcher, in seinen Auswirkungen bis heute anhaltender Einschnitt für die sozialen Beziehungen bedeutet, untersuchen seit 2007 ein Verbund von wissenschaftlichen Instituten und das Maxim Gorki Theater Berlin am Beispiel Wittenberge. Auf einer zweitägigen Konferenz Anfang Oktober zogen die Forscher und Theatermacher eine Zwischenbilanz.
Soziologie im Mitropa-Saal
Bezeichnenderweise wurde im alten Mitropa-Saal des Wittenberger Bahnhof getagt, einer jener Durchgangsstationen, von denen das moderne Leben geprägt ist. «Nicht-Ort» nannte der Anthropologe Marc Augé einmal solche Transiträume von bloß funktionaler Natur. Im Rücken liegen die Bahntrassen als Verbindungen zur Außenwelt, dem Auge zeigt sich durchs Fenster von der Stadt nicht viel mehr als ein öder ...
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13. ...
Das wichtigste Requisit des folgenden Textes ist die Mobility Bahncard 100. Die kleine schwarze Karte ist der Rolls Royce unter den Bahncards; nichts für Pendler oder Vielfahrer, eher für Süchtige und Nomaden. Mit ihr kann man, so die Bahn, «einfach einsteigen und losfahren». Zug-Junkies zahlen schlappe 3.650 Euro im Jahr (oder 335 im monatlichen Abo), um permanent...
Volkstheater-Chef Christian Stückl hat zuletzt in München mit einem jugendfrischen «Richard III.» überzeugt. Jetzt legt er auf der Shakespeare-Spur mit «Hamlet» nach. Mit Shakespeares «Othello» setzt Jette Steckel am Deutschen Theater Berlin die mit «Herz der Finsternis» und Lukas Bärfuss’ «Öl» gestartete Suche nach der Begegnung mit dem Fremden fort, den Mohr von...
