Und der Mensch ist doch gut!
Wie versteinert sitzt die ältere Frau im Zentrum der Bühne. Dicke Spinnweben überziehen ihren Körper. Um sie herum hat Bühnenbildner Dirk Thiele haushohe Wände errichtet, in deren setzkastenähnlichen Auslassungen Darsteller wie Schießbudenfiguren im Halbdunkel verharren. Mit einer bizarren Märchenszenerie eröffnet Heike M. Goetze ihre bei den Ruhrfestspielen herausgekommene Inszenierung von Christoph Nußbaumeders neuem Stück «Mutter Kramers Fahrt zur Gnade». Es ist die pensionierte Lehrerin Anita Kramer, die sich hier in einer Dornröschenstarre befindet.
Nußbaumeder lässt hingegen in seinem bürgerlich volksstückhaften Text die Kaffetassen und Kuchengabeln nur so klappern: Anita schlägt nach dem Tod ihres Mannes mit Bibelkreis und undankbarer Tochter die Zeit tot, bis sie den arbeitslosen Hudi kennenlernt. Durch ihn erfährt sie eine Art Politisierung, hört erstmals von der erniedrigenden Behandlung im Jobcenter und von beschönigten Arbeitslosenstatistiken. Sie beginnt eine Beziehung mit ihm, zum Entsetzen von Rentner Kurt, der mit Anita gemeinsam in ein Seniorenheim ziehen möchte, und ihrer Tochter Carmen, die gerade Leiterin des Jobcenters geworden ist und es gemeinsam mit ihrem ...
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Theater heute Juli 2013
Rubrik: Chronik: Bochum Schauspiel, Seite 60
von Natalie Bloch
Herberts Bratwurst ist die billigste, denn sie ist eigentlich nicht mehr genießbar. Damit das nicht auffällt, hat sie Herbert einer «Spezialbehandlung» unterzogen. Die «gute lauge», in die er sie legt und die schon «seine oma genutzt hat nach dem krieg», ist mit Arsen und Rattengift versetzt. Das Siegerstück der Essener Autorentage 2012 ist das Stück zur Stunde des...
Nachrichten aus der Blackbox einer traurigen Jugend können mit sagenhafter Kraft nach draußen dringen: «It’s better to burn out / than to fade away.» Dieses Neil-Young-Zitat hatte Kurt Cobain bei seinem Freitod 1994 allen jugendlichen Melancholikern ins Herz geschrieben. «Besser verbrennen als verblassen.» Sie können aber auch etwas leiser wehen: «DAS HIER IST...
Zwei Performer an einem Tisch. Sie machen uns nichts vor. Ihre Rolle auf der Bühne beschränkt sich auf die von Technikern: Sie befestigen an quer durch den Raum verlaufenden Schnüren Tafeln, auf denen in fotorealistischem Stil gehaltene Bildausschnitte zu sehen sind, die sich ganz allmählich zu einem Vorhang zusammenfügen, zu einem Mosaik aus Momentaufnahmen. Die...
