Sprechen oder Nachsprechen?
Ich glaube nicht mehr an das Theater. Jedenfalls nicht in der Form, bei der sich eitle Nostalgiker an ihre sinkenden Theatermuseums-Schiffe klammern und laut schreien, weil keiner die Reparatur bezahlt. Da sitzen sie, die alten Männer aus der alten Zeit, und pinseln noch mal neue Farbe auf die Bretter, die sie eigentlich hätten erneuern müssen. Sie haben ihre wichtigste Lobby, das Publikum, verloren. Weil sie es jahrelang mit Klassikerinszenierungen eingeschläfert haben, bis nur noch Menschen zum Schlafen bei Klassikerinszenierungen ins Theater gingen.
Sie haben zwar das Schnarchen gehört und in Dramaturgiesitzungen versucht, Ideen zu entwickeln. Aber mit Konzerten und Popmusik die alten Leute aufzuwecken und die Jugend zu locken, hat dann doch nicht funktioniert. Das Feeling stimmte einfach nicht, und sie verwechselten Pop mit Populismus. Die Kids waren eh verloren, nachdem Theaterpädagogen die Schulen in «Kabale und Liebe» telefoniert hatten. Mit dem gleichen Eifer haben sie Migrantenstadl veranstaltet, Oper auf frech geschauspielt oder sonntags über harte Sachen wie Krieg und Hunger bei Kaffee und Kuchen diskutiert.
Aber je beliebiger ihre Projekte und Profile wurden, umso ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Reale Utopien, Seite 12
von András Siebold
Eine der beglückendsten Lektüren der letzten Jahre war für mich die von John Alec Bakers «The Peregrine» über ein Wanderfalkenpaar im Osten Englands. Baker, der die Falken drei Jahreszeiten lang beobachtete, beschreibt sie mit so leidenschaftlicher Genauigkeit, dass man das Gefühl hat, er identifiziert sich mit ihnen, verschmilzt mit ihnen und beginnt, die Welt von...
Die Theaterzeitschrift
im 55. Jahrgang
Gegründet von
Erhard Friedrich und Henning Rischbieter
Herausgeber
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
Redaktion
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Wie der selbstgeblendete König ein Mörder war und es nicht wusste, so sind wir, selbstgeblendet, unsere eigenen Mörder, unsere Schuld wird auf dem Bildschirm eingeblendet, sie ist hoch, sie ist zu hoch, wir waren geblendet, geblendet von uns selbst», schrieb Elfriede Jelinek in ihrem am Theater Bremen uraufgeführten Stück «Aber sicher!» über unseren Umgang mit...
