Schreibkampf
Ewald Palmetshofer kämpft. Das kann man lesen. Hier schreibt niemand, der sich seiner Sprache, seiner Themen oder seiner Kunstgriffe sicher ist. Hier fordert ein Schreiben sich heraus in neue Zusammenhänge. Schon der Titel ist eine Zumutung. Fühlt man sich vom ersten Wort beschimpft, bleibt der Satz danach ein Stummel und ist nur schwer verständlich. Und so geht es weiter in der vorangestellten Regieanweisung: «Die Szenen-Übergänge verstehen sich als Verwandlung. Die eine wechselt in die andere, ohne dass man die vorhergegangene Szene abräumen müsste.
Abgesehen von Erika sind alle Personen auch als Chor zu verstehen. Unterschiedliche Schriftarten markieren unterschiedliche Zeitebenen, zwischen denen die Stimmen wechseln. Die Ebenen bestehen sowohl nebeneinander als auch durcheinander. Somit befinden sich verschiedene Figuren unter Umständen auch in unterschiedlichen Zeiten.» Das soll ihm erst einmal jemand nachmachen.
Bei der Lektüre solcher Vorschriften freut sich der Dramaturg auf die Reaktion der Regisseurin, auf die Fragen der Schauspieler und die Einfälle des Bühnenbilds, und es entsteht etwas, das nicht entstanden wäre, hätte der Autor sich an Ratgeber gehalten oder an seine ...
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Theater heute Jahrbuch 2010
Rubrik: Die neuen Stücke der Spielzeit, Seite 192
von Julia Weinreich/Martin Heckmanns
Unspektakulärer kann Nacktheit wahrscheinlich nicht mal am FKK-Strand rüberkommen. Kein handelsübliches Murren regt sich im Silbersee des Schauspiels Hannover im vorderen Parkett, kein Kichern in den reich mit Schulklassen besetzten hinteren Reihen. Dass Sandra Hüller als Parzival die Bühne splitterfasernackt betritt und das auch eine ganze Weile bleiben wird,...
Drei Tage bevor ich gefragt wurde, etwas über meine «Visionen vom zukünftigen Schauspieler» zu erzählen, hat mich ein Performer des Nature Theater of Oklahoma im Berliner Hebbeltheater unrasiert und verschwitzt, wie er war, an meinem Eckplatz in der dritten Reihe aufgesucht, um mich auf den Mund zu küssen. Ich wusste, als er auf mich zusteuerte, ziemlich genau,...
Eisenstein gibt es wirklich: Ein 1000-Einwohner-Dorf in Niederbayern, unmittelbar an der Grenze zu Tschechien. Die Homepage der Gemeinde wirbt mit sauberer Luft, landschaftlicher Schönheit und dem Spruch «Eisenstein liegt nicht irgendwo, sondern mittendrin». Womit in erster Linie der Bayerische Wald gemeint ist. Doch durch seine Grenzlage war Eisenstein auch ein...
