Bürgerlicher Held, proletarische Heldin
Bürger sind keine Helden. Bürger sind bequem, und «bürgerlich» ist ein Synonym für schlechten Geschmack. (Der Wutbürger ist ja nur ein Oxymoron.) Aber Carl Sternheims Komödien-Serie «Aus dem bürgerlichen Heldenleben» hat Konjunktur. Nach Recklinghausen und Hannover brachte nun das Schauspielhaus Bochum die Trilogie aus «Die Hose», «Der Snob» und «1913» auf die Bühne.
So einfach wiedererkennen kann sich die heutige kräutermilde Bionadebourgeoisie in den scharfkantigen, skurrilen, kleingeistigen und aufstiegsgierigen Heldenbürgern Sternheims nicht.
Sternheim beansprucht gezeigt zu haben, dass «alles Bürgertum der eigenen gehätschelten Ideologie inkommensurabel» sei. Selbstverwirklichung, Selbstmut, Privatcourage sind Sternheims Ziele. Bei seinen bürgerlichen Helden aber zeigt er Selbstverwirklichung durch Anpassung. Das Neo-Bürgertum belacht gerne Sternheims Bürgersatire, doch seine Lehre, dass der Mensch nur auf seinen «frischen Einzelton» hören müsse, seine Verteidigung der «manchmal brutalen Nuance» des Einzelnen, wird dabei meist übersehen.
Kargheit und Isolation
Um die kritische Selbstbespiegelung des wilhelminischen Bürgertums aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August/September 2013
Rubrik: Aufführungen: NRW Theatertreffen, Seite 26
von Gerhard Preußer
Wolfgang Kralicek Stefanie Carp, zum ersten Mal kamen Sie 2005 als Vertretung für Marie Zimmermann zu den Festwochen. Wie ist Intendant Luc Bondy damals auf Sie gekommen?
Stefanie Carp Als Christoph Marthaler und ich das Zürcher Schauspielhaus leiteten, hatten wir Luc Bondy für eine Inszenierung eingeladen, «Auf dem Land» von Martin Crimp. Als er dann eine...
Zwölf Tage Theater, Podiumsdiskussionen und Kolloquien, Konzerte im kalten hannoverschen Nieselregen und ein Catering-Zelt im Festivalzentrum, das mitten im Hochsommer Punsch im Angebot hatte. Das waren die Theaterformen, das kleine, feine, niedersächsische Theaterfestival, das im jährlichen Wechsel mal in Hannover, mal in Braunschweig stattfindet.
Anja Dirks, die...
120 Stunden, behauptet der nicht mehr ganz junge Mann im grauen Overall beflissen, hätten er und sein Team sich in der Halle E des Museumsquartiers eingeschlossen und unablässig dem Strom der Nachrichten ausgesetzt. Der Regisseur Nicolas Stemann begrüßt höchstpersönlich das Publikum seiner «Kommune der Wahrheit», die nun antrete, vorläufige Ergebnisse dieser...
