Berlin: Im irdisch’ Jammerspital
Einmal wird es an diesem Abend richtig komisch: Da schiebt sich Kay Bartholomäus Schulze als Bruder des eingebildeten Kranken in den klinikweiß gekachelten Bilderrahmen, den Bühnenbildner Olaf Altmann zentral über den Schaubühnenbrettern schweben lässt. Ein Embryo von einem Mann ist das, glatzköpfig, gesichtslos, ein Arm unter der mumienhaften Ganzkörperverklebung versteckt – die groteske Zurschaustellung dessen, was dem eingebildeten Kranken droht, sollte er sich auf jene Radikalkur einlassen, die ihm sein Hausmädchen Toinette in ärztlicher Verkleidung empfiehlt.
Wie viele Nächte muss Regisseur Michael Thalheimer Survival-Horrorgames à la «Resident Evil» gespielt haben für so eine herrliche Zombie-Schreckschrulligkeit?
Bei Molière ist dieser Bruder des begüterten Herrn Argan die Stimme der Vernunft, mit deren Hilfe der irr(ig)e Held von seiner aggressiven Hypochondrie geheilt wird – oder zumindest davon abgehalten wird, seine Tochter an den Sohn des erstbesten Quacksalbers zu verheiraten. Dass Thalheimer die Verhältnisse auf den bandagierten Kopf stellt und den Bruder nunmehr zum sinistren Schreckgespenst umdeutet, hat durchaus Methode. «Ist das erbärmlich, ich will nicht ...
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Theater heute März 2017
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Christian Rakow
In den vergangenen drei Jahren tourte die liebevoll gefakete Ausstellung «Domo de Europa Historio en Ekzilo» des belgischen Regisseurs Thomas Bellinck durch die Festivals, in der aus der Perspektive der nahen Zukunft auf die zerfallene EU zurückgeblickt wird. Ein ähnliches Szenario entwirft nun auch die Wiener Dramatikerin Miroslava Svolikova (geb. 1986) in ihrem...
Also, ich weiß jetzt gar nichts mehr, am liebsten ließe ich nur Plüschtiere, also Schauspielerinnen und Schauspieler als Plüschtiere auftreten, aber nie werde ich das bekommen! Das wollte ich für mein letztes Stück haben, ich finde nicht, daß das zuviel verlangt ist. Ich will es, ich will es. Aber Sie wollen mit Sicherheit was andres, bloß werden Sie...
Marine le Pen könnte die nächste rechtsradikale Staatschefin in Europa werden und Frankreich aus der EU führen. Über die kulturelle Debatte im und um das Theater vor der Stichwahl im April.
Man sollte nicht mit Namen scherzen. Aber bei Kate Strong und ihren Figuren ist Stärke eine ernstzunehmende Eigenschaft: ein Porträt.
Clemens Setz hat einmal gesagt, er kenne...
