Rau, schön, cool
Bevor Miles Davis noch einmal zur Trompete greifen darf, endet Alfred Anderschs Hörspielmontage «Der Tod des James Dean» mit markigen Worten: «Verstummen muss das Gequatsche von der Schönheit» – ein verkappter Imperativ der Beatgeneration, die sich noch ein letztes Mal vor ihrem Idol verbeugt: «Alles was er gesagt hat, war rauh. Einfach rauh.» 1959, als man rauh noch mit h schrieb, war Anderschs Stück Zeugnis einer Avantgarde, die sich einem Publikum gegenübersah, dem man zwar zutraute, das Wort «Boys» zu verstehen, nicht aber den Anglizismus «cool».
So übersetzte man ihn mit «rauh», was zwar als Gegenbegriff zu «schön» angehen mag, aber so ziemlich das Gegenteil von «cool» ist. Wieder zu hören war Anderschs Montage in der Retrospektive der neuen «Woche des Hörspiels», die Ende April in der Berliner Akademie der Künste stattfand. Und im Spannungsfeld von rauh, schön und cool spielte sich die ganze Woche ab.
Prinzip Theatertreffen
Eine Versionsnummer haben die Festivalleiter Frank Kaspar und Gaby Hartel ihr nicht gegeben – es ist die 18. –, nachdem im Anschluss an die letzte Woche des Hörspiels im November 2003 aufgrund «atmosphärischer Störungen» (Gaby Hartel) zwischen der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Hey, Professor, übernimm dich nicht, rief sie mir zuletzt am Telefon zu, ich brauch dich doch, und dann kicherte sie wie ein Backfisch, wie sie es so gerne tat; albern nannte sie mich Higgins und sich Eliza, als ob irgendjemand ihr noch irgendetwas hätte beibringen können. Wie immer dann rheinische Abschiedsgrüße: Mach et joot!
Nun also hat sie sich selber...
In dem hübschen Paradiesgarten, den Andreas Kriegenburg auf der Bühne des Thalia Theaters hinter schweren Käfigwänden angelegt hat, geht es mächtig zur Sache. Unter blühenden japanischen Kirschbäumchen, die sich dekorativ von der blutroten Wand abheben, wickelt sich eine junge Geisha (Katharina Behrens) zu rauen Frauengesängen aus ihren Schärpen und löst ihr...
Ich will ein Feuerwerk, kein ängstliches Gepiepse! Und zweihundert Prozent Disziplin!», ruft der Musiklehrer Aaron Grahovac, und in den überfüllten Probenraum der Berliner Bettina-von-Armin-Oberschule im Märkischen Viertel zieht ein Hauch von Dieter Bohlen ein. «Wer das nicht schafft, der kann jetzt noch gehen!» Alles schweigt und schaut den schwarz gekleideten...
