Wellness venezianisch
In Venedig kann man sich auf verschiedene Arten von Masse erschlagen lassen. Die bekannteste ist ein Spaziergang durch San Marco: Noch in der verwunschensten Seitengasse, auf dem schmalsten Seufzerbrücklein, im als absoluter Geheimtipp gehandelten Fischlokal wird man Heerscharen von seinesgleichen begegnen: Freundliche, aber oft auch etwas unglückliche Menschen, die die morbide Schönheit der Serenissima lieber in deutlich weniger Gesellschaft bestaunt hätten. Eine Steigerung erfährt dieses Gefühl zu Zeiten der Kunst-Biennale, speziell in den Tagen vor ihrer offiziellen Eröffnung.
Da mischen sich Fachbesucher, Kunstjournalisten, Sammler und Messejetset unter Venedigs Alltagstourismus – leicht erkennbar an den forciert schicken Garderoben und Leinenbeuteln, mit denen man dieses Jahr todesmutig politisch Gesinnung bekannte: «Free Ai Wei Wei» hatte das Kunstmuseum Bregenz auf seine Gratistaschen gedruckt.
Parcours der harten Rezeptionsarbeit
Die Kunst-Biennale hat ihrerseits die Tendenz, durch schieres Überangebot die Rezeption zu erschweren. 89 Nationen stellen in Pavillons auf dem Biennalegelände, aber auch über die Stadt verteilt aus, oft in ihrerseits aufwändig kuratierten ...
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Theater heute August/September 2011
Rubrik: Theater und Bildende Kunst, Seite 12
von Eva Behrendt
Das ist die Dramaturgenfrage: Was wollen wir mit diesem Stück erzählen? In Moers wirft der Regisseur ein paar Assoziationen zur Zeitgenossenschaft von Molières «Geizigem» in den Raum: «Geiz ist geil … wir zeigen diese ganze Überflutungsgesellschaft … eine immer-geile Inzestfamilie ... mit mehreren Fat-Suites übereinander …» Komplett wird das Klischee durch DEN...
Irgendwas kommt in meinen Stücken immer beredt zum Ausdruck, aber wer beredet da was und wie? In meiner «Winterreise» wird vor dieser Sprechenden hier die Landschaft vorbeigezogen. Eine spricht im Stillstand. Aufgrund einer Angst-Erkrankung bin ich nicht imstande, diesen Preis, über den ich mich sehr freue, persönlich entgegenzunehmen, und leider – das beschreibe...
Der Regisseur Antonio Latella inszeniert zum dritten Mal in Köln. Seit diesem Jahr leitet
er gleichzeitig ein Theater in Neapel und versucht dort, seine deutschen Erfahrungen mit dem Repertoirebetrieb umzusetzen. Mit sechs italienischen und sechs deutschen Schauspielern und seinem Dramaturgen Federico Bellini hat er nun ein knapp dreistündiges Mafia-Spektakel in...
