Büchner und Butterkekse
Wenn vor der Premiere die Intendantin auf die Bühne kommt, ist das meistens kein gutes Zeichen. Wenn vor der Premiere von «Die Revolution frisst ihre Kinder!» die Schauspielerin Evamaria Salcher auftritt und sich als Intendantin vorstellt, ist das die erste Pointe des Abends. Salcher behauptet nicht nur, Intendantin zu sein, sondern auch, dass die Premiere abgesagt sei. Regisseurin Julia Gräfner und das Ensemble seien bei den Recherchen in Burkina Faso in eine echte Revolution geraten. «Sie sind wohlauf – aber eben leider noch nicht zurück.
» Da man das Publikum nicht nach Hause schicken wolle und es schade um das afrikanische Premierenbuffet wäre, gebe es ein Ersatzprogramm: Der Schauspieler Florian Köhler werde sein Solo «D» spielen, mit Texten aus «Dantons Tod» und Songs von The Doors. Wenn der Lappen dann – muss ja – hochgeht, sitzt da tatsächlich Florian Köhler im Danton-Kostüm und singt «People are strange». Im weiteren Verlauf des Abends wird er das Geschehen passagenweise mit Büchner-Zitaten begleiten.
Dass die Ansage der «Intendantin» nur ein Scherz war, ist spätestens dann offensichtlich, wenn auch der Rest des Ensembles – Julia Gräfner, Raphael Muff, Michael Pietsch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2019
Rubrik: International, Seite 40
von Wolfgang Kralicek
Eine wildromantisch verschneite Bergkulisse: Die Jägerhütchen und Lodenmäntel der Damen, die da beschwingt Sekt trinken und im mythischen Wald gemeinsam tanzen, sitzen ebenso akkurat wie ihre ondulierten Haare. Heimatliebe, Naturverbundenheit und Kameradschaft, Luis Trenker und Leni Riefenstahl hätten es nicht schöner bebildern können. Thomas Bernhard und Elfriede...
«Vielleicht ist es woanders anders, aber bei uns nicht.» Das ist der zentrale Satz in Dmitri Sokolows «Russian Boy»: Möglicherweise ist eine schwule Coming-of-Age-Geschichte im Westen kein Aufreger mehr (wobei diese These abseits der Metropolen auch noch einmal diskutiert werden sollte), in Russland aber, wo ein Gesetz seit 2013 positive Aussagen über...
Die Psychoanalyse sei eine der «erfolgreichsten Ideen» in westlichen Gesellschaften, schreibt die israelische Soziologin Eva Illouz in ihrem Buch «Saving the Modern Soul». Im Verlauf des 20. Jahrhunderts habe sie alle Bereiche der modernen Kultur durchdrungen und eine «völlig neue kulturelle Matrix» geschaffen, die «unser Verständnis vom Selbst und von anderen...
