Als die Dritte Welt noch in Ordnung war
Die Musik, die in Peter Dehlers Inszenierung immer wieder atmosphärisch verschmiert eingesetzt wird, ist feinster skandinavischer Depressionismus – der zerdehnte Trauersound der isländischen Band Sigur Ros gilt als musikalische Feier von Absage und Vergeblichkeit. Doch auf dem Programmzettel verkündet Heiner Müller gleich als erstes den Optimismus, dass die Französische Revolution jetzt, nach dem Scheitern der Oktoberrevolution, vielleicht wieder bevorsteht.
Da hält man es lieber mit der Musik und schüttelt den Kopf darüber, warum Müllers steile These ausgerechnet mit seiner 1979 geschriebenen «Erinnerung an eine Revolution» auf der kleinen Bühne des Schweriner E-Werks wieder aufgewärmt werden soll.
Das Stück hatte eine große Zeit in den 80er Jahren, Ost wie West, als die Dritte Welt noch eine Hoffnung war, an die freilich auch Müller schon nicht mehr recht glaubte. In letzter Zeit machten ambitionierte Inszenierungen – wie die von Andreas Kriegenburg 2001 in Wien – aber deutlich, dass im Moment aus der hier eingesetzten Drei-Klassen/Drei Welten-Theorie des Autors keine große Energie mehr zu beziehen ist. Das Stück war bestenfalls zur Erinnerung an die fehlende Revolution der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es soll ja noch schlechter werden», lautet die permanente Drohung in diesem Stück. Für Elisabeth, die Hauptfigur in Horváths Sozialstück «Glaube Liebe Hoffnung», ist das aber noch lange kein Grund, aufzugeben. Die düstere Zukunftsprognose lässt, im Gegenteil, die graue Gegenwart in einem helleren Licht erscheinen. «Ich lass den Kopf nicht hängen», sagt Elisabeth...
Vorsichtig bahnen sich drei Kerzen ihren Weg durch ein Tableau aus schemenhaften Gestalten. Stimmen erklingen. Irgendwo in einem dunklen Zimmer haben Tony, Thomas und Christian Buddenbrook das Stammbuch ihrer Familie entdeckt, deren große Zeit längst im dämmrigen Zwielicht der Geschichte in Vergessenheit geraten ist. In Zeiten der Angst vor dem Abstieg...
Gestorben
Legendär war sein Auftritt in Volker Brauns «Übergangsgesellschaft», wenn er als alter Kommunist und verdienter Spanien-Kämpfer Wilhelm Höchst auf dem Boden sitzt, Westfernsehen guckt und Sätze sagt wie «Der Sozialismus kann nicht als Diktatur zum Ziel kommen». 1988, ein Jahr vor dem Mauerfall, war diese Fortschreibung von Tschechows «Drei Schwestern»...
