Talent zum Privileg
Anta Helena Reckes «Mittelreich» – die Wiederholung der Inszenierung einer weißen Regisseurin mit einer weißen Besetzung durch eine schwarze Regisseurin mit einer schwarzen Besetzung – berührt mich und meine Theorie als Theaterwissenschaftlerin, meine Praxis als Dramaturgin und meinen Alltag als schwarze deutsche Frau im deutschen Theaterbetrieb auf vielen Ebenen: Zum einen habe ich vor einiger Zeit ein theaterwissenschaftliches Buch geschrieben, das auf meiner Doktorarbeit basiert und den Titel «Ästhetik der Wiederholung» trägt.
Ich habe mich also viele Jahre mit ganz unterschiedlichen Formen der Wiederholung, der Verdopplung, der Kopie, des Zitats, der Aneignung und des Reenactments in der Bildenden Kunst und insbesondere in der Aufführung beschäftigt. Zum anderen habe ich in den letzten Jahren Verfahren der theatralen Repräsentation – also der Stellvertretung und Darstellung – des vermeintlich Anderen untersucht und in diesem Rahmen verstärkt postkoloniale Theoriebildung und Denkfiguren der kritischen Weißseinsforschung in meine theaterwissenschaftliche Arbeit einbezogen.
So habe ich mich im Zuge der sogenannten Blackfacing-Debatte, aber auch darüber hinaus damit ...
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Theater heute Jahrbuch 2018
Rubrik: Neue Konflikte, Seite 48
von Joy Kristin Kalu
Die Existenz verschiedener Religionen, Ideologien und Ethnien an ein und demselben Ort deutet auf zweierlei hin: nämlich entweder darauf, dass es einen Bürgerkrieg geben wird, oder darauf, dass dieser Ort gedeihen wird. Im Jahr 2015 sind 1.300.000 Menschen nach Deutschland gekommen. 40 Prozent der Bevölkerung haben vielfältige Hintergründe und Ethnien. 200.000...
Es ist unmodern geworden, politische Eingriffe und Perspektiven noch anhand der klassischen Lagerbestimmungen vorzunehmen. Andererseits sind sich alle einig, dass die vielen skandalösen Politiker und Bewegungen, die in den letzten Monaten und Jahren Macht erworben haben, alle eines eint: Sie sind Rechte. Und sie hatten Erfolg, weil sie linke Themen umdeuten...
In gesellschaftlichen Diskursen wird derzeit wiederholt die Figur der Flut bemüht, um das Bild des Eindringens «fremder» oder neuer Menschen und Ideen in eine bestehende Ordnung zu zeichnen. Je nach politischer Fasson wird dieses Eindringen als Bedrohung einer heilen Welt oder als Chance einer Erneuerung begriffen. Auch die Frage nach «neuen» Narrativen, Praktiken...
