Dresden: Politische Farbenlehre
Geht es nach dem Staatsschauspiel Dresden, sieht die Zukunft wahlweise dunkelbraun aus oder ultrapink, in beiden Fällen aber sehr unlustig.
Die erste Apokalypse, die dunkelbraune, wird – als dramatische Vorwarnung zu den sächsischen Landtagswahlen im September – auf der Bühne des Großen Hauses durchexerziert: Der Regisseur Volker Lösch hat der virulenten Fraktion der ‹besorgten Bürger› fiktional ein paar besonders depperte Exemplare abgerungen, die er auf einer Art AfD-Traumschiff in See stechen und praktisch 135 Minuten lang Höcke-, Gauland- und Weidel-Wahlkampfprosa von Deck skandieren lässt.
Die andere Dystopie, die ultrapinke, kommt ursprünglich aus der politischen Gegenrichtung und unterläuft in Laura Naumanns Stück «Mit freundlichen Grüßen eure Pandora» im Kleinen Haus sozusagen en passant einer Wissenschaftlerin, die aus feministischem Übereifer heraus ein künstliches Fortpflanzungsverfahren entwickelt hat, für das kein männlicher Samen mehr benötigt wird – was dann freilich schnell den Mann als solchen, die «Kategorie biologisches Geschlecht» und also die «binäre Geschlechterordnung» überhaupt zur Disposition stellt und ethische Probleme aufwirft, die in redlichem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2019
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Christine Wahl
«unsere väter lebten angenehm. sie hatten rinder und feldfrüchte;
sie hatten salzsümpfe und bananenbäume.
plötzlich sahen sie ein großes schiff aus dem ozean emporsteigen.
dieses schiff hatte vollständig weiße flügel, die wie klingen funkelten.
weiße männer kamen aus dem wasser und sprachen worte, die niemand verstand.
unsere vorfahren ergriff die furcht; sie sagten,...
Einmal mehr am Ende eines Theaterabends die Frage, ob denn nun wirklich jeder Roman auch auf die Bühne gebracht werden muss, ob es da nicht eine ganz bewusst gesetzte Grenze zwischen der gekonnt komponierten Prosa und dem erzählenden Theater gibt und geben sollte. In diesem Fall geht es um das viel beachtete und wegen seiner komplizierten Verschränkung...
Vermutlich wäre er heute ein pickeliger Gamer, der seine Heldentaten bei «World of Warcraft» filmt, kommentiert und auf YouTube hochlädt. Auch Troll- und Piraten-FunPics auf Snapchat und Instagram könnten ihm bei der Verbreitung seiner fantastischen Hochstapler-Storys helfen. Keine Frage: Das Hobby des jungen Peer Gynt, sich eine aufregendere Identität auszumalen...
