Heldendämmerung
Als polnischer Minister für Kultur und nationales Erbe hat man es wirklich nicht leicht. Seit Jahrhunderten bedrohen feindliche Mächte die nationale Einheit des Landes. Gleichzeitig ist der Olymp der legendären Widerstandskämpfer und Nationalhelden personell längst überlaufen, weshalb sich die zeitgenössischen nationalkonservativen Regierungsvertreter mit einer Nischenexistenz in der Ruhmeshalle für Gott, Ehre und Vaterland abfinden müssen. Johann III. Sobieski besiegte das osmanische Heer, Papst Johannes Paul II.
den Kommunismus, und Piotr Glinski verteidigt gerade standhaft «die grundlegenden Prinzipien der sozialen Koexistenz, deren Schutz in kultureller Hinsicht die Pflicht des Ministers für Kultur und nationales Erbe ist», gegen den kroatischen Theaterregisseur Oliver Frljic. Dessen Arbeit, so Glinski, «entmutigt und entfremdet einen großen Teil des Publikums vom Theater und verstärkt dessen teuflisches Bild in der Gesellschaft als Institution, in der demoralisierte Nihilisten die Werte beschmutzen, die ihrem Publikum heilig sind».
Umgekehrt ist es für demoralisierte Nihilisten natürlich schwierig, das pathetische Kauderwelsch, das Jaroslaw Kaczynskis Partei «Prawo i ...
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Theater heute August/September 2017
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Anja Quickert
Ein Festivalsommer der Schlussappläuse: Florian Malzachers letzte «Impulse», Neues aus Avignon, wo Frank Castorf noch einmal Abschied feiert, und von der Ruhrtriennale, deren Intendant Johan Simons seine dritte und letzte Saison einläutet. Oben Simon Stones «Ibsen House» in Avignon, rechts Swoosh Lieus «who cares» bei Impulse.
Die Redaktion muss erstmal ausspannen...
Das Publikum hat sich zur angekündigten Uhrzeit in der Halle eingefunden und harrt der Dinge. Doch vom «performativen Programm», das hier stattfinden soll, ist weit und breit keine Spur. Nach zehn Minuten wendet sich schließlich eine Frau – anscheinend eine der Künstlerinnen – an die Wartenden. «Are you looking for the performance?», fragt sie freundlich und weist...
Ein Sonntagmorgen im thüringischen Altenburg ist nicht unbedingt das, was ein Reisebüro als besonderes Erlebnis anpreisen würde. Der riesige, architektonisch einzigartige Marktplatz mit seinen historischen Gebäuden und der mächtigen roten Brüderkirche am Ende ist menschenleer. Über ihn poltert jetzt ein wie für eine Safari aufgemotzter Jeep mit aufheulendem Motor....
