Geld, High Heels und Alkohol
Ein spielwiesenbreites Bett, eine Lagerstatt wie die Kommandobrücke eines Luxusliners auf übereinander gestapelten Podesten. Mit versteckten Schubkästen für die wichtigen Dinge im Alltag der Mode-Kapitänin Petra von Kant: nämlich Geld, Laptop, High-Heels, Alkohol.
Susanne Maier-Staufen hat für Fassbinders Melodram einer Domina, die schamlos ihre
Untertanen tritt, ein Setting von schlagender Klarheit entworfen. Dessen spektakuläre Oberfläche wird von Regisseur Maik Priebe peu à peu zerstochen und zerrissen.
Aus dem Grell-Hysterischen, aus Lesben-Affaire und (Ehe-) Männer-Bashing, Erfolgsgier, Emanzenauftrieb und Allmachttrieb wird in 100 Minuten etwas finster Abgründiges: Eine Tragödie, gespeist von vergeblicher Herzenssuche und schmerzlicher Ohnmacht durch den Verlust von Lebenslust und Daseinssinn.
Nicoline Schuberts Lady von Kant ist ein tolles, bei aller Panzerung durch Aggressivität extrem dünnhäutiges Zwitterwesen: Eine fahrig Fiebrige und kalt Herrische, eine kühne Intellektuelle und weinerliche Göre, rasend Erniedrigende sowie Sich-selbst-Kleinmachende. Ihr Widerpart ist Danne Hoffmann als Karin Timm, die Kantsche Vergeblichkeitsliebe – vom Kostüm der Schubert frappierend ...
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Theater heute Dezember 2011
Rubrik: CHRONIK, Seite 49
von Reinhard Wengierek
Franz Wille Wenn man im dritten Jahr seiner ersten Intendanz freiwillig nicht verlängert, ist irgendetwas nicht ganz glücklich gelaufen. Was genau?
Sebastian Hartmann Wo fängt man da an? Die größte Schwierigkeit lag darin, gemeinsam mit der Leipziger Politik in die Zukunft zu schauen. Einerseits die fehlende inhaltliche Kommunikation, die Frage, was ein Theater...
An einem verregneten Sommerabend Ende der neunziger Jahre kehrte dieser heimatlose Odysseus nach München zurück – nicht an eines der beiden großen Bühnengestade dies- und jenseits der Maximilianstraße, an denen Heinz Bennent in den siebziger und achtziger Jahren der hellste und fernste Stern gewesen war: am Residenztheater als Ingmar Bergmans Andersen in Per Olov...
Nachdem er erst poststrukturalistisch, dann systemtheoretisch und schließlich managementphilosophisch ausgeholt hat, geht Michael Börgerding aufs Ganze: «Ich gehe davon aus, dass wir das alle wollen: glücklich sein am Theater, Glück möglich machen im Theater, das Glück suchen im Theater.» Dreimal Glück und Theater!Der langjährige Hamburger Chefdramaturg,...
