Liebesnöte am Grab
Wenn ein israelischer Erfolgsautor ein Stück über Steinigung im Iran schreibt, ist man geneigt, es als Kriegspropaganda abzustempeln. Doch Joshua Sobol (*1939), der in Israel und auch Deutschland zu den meistgespielten israelischen Dramatikern gehört, widersetzt sich gerne Schubladen und Ideologien und thematisiert in seinen Stücken provokant auch israelische Wehrdienstverweigerer («iWitness») oder orthodoxe Juden («Das Jerusalem-Syndrom»), was ihn 1988 sogar seinen Job als Direktor des Theaters in Haifa kostete.
Nächtelang hat der Autor, der offenbar nie ein islamisch geprägtes Land bereist hat, im Internet recherchiert, um sich ein Schreckensbild von der Barbarei im Jahr 2012 zu machen. Ganz vorne dabei: Sudan, Afghanistan, Iran. Letzterer liegt mit seiner Bildungsbürgerschicht als Handlungsort nah, da eine Englischlehrerin die Hauptfigur spielt. Unappetitlich nur, dass Israel dem Iran fast täglich mit einem Präventivkrieg droht.
«Sünder/Sinners» beginnt wie eine Deutungsvariante von Becketts «Schöne Tage». «Ein wirklich schöner Tag» behauptet die zur Steinigung eingegrabene «Frau» trotzig wie einst Winnie, nachdem «Mann» (Arne Lenk) sie vom schwarzen Tuch befreit hat. Es ...
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Theater heute November 2012
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Dorothea Marcus
1./Donnerstag
20.15 ARD: Rommel Fernsehfilm (2012) von Niki Stein, mit Ulrich Tukur, Thomas Thieme, Hanns Zischler, Johannes Silberschneider, Jochen Noch u.a.
(am 17./Samstag in 3sat)
3./Samstag
20.15, 3sat: Der Reigen von Schnitzler, mit Petra Morzé, Katharina Strasser,
Miguel Herz-Kestranek u.a., Regie Helmut Wiesner. Aufzeichnung von den Sommerspielen Reichenau...
Gerade mal 23 ist Laura Naumann, vier Stücke hat sie geschrieben, und an Wettbewerben und Preisen hat sie vom Berliner Stückemarkt bis zu den Autorentheatertagen am DT schon mitgenommen, was mitzunehmen ist. Nebenbei studiert sie im Performancecluster Hildesheim Kreatives Schreiben und ist Mitglied der Game-Performer MachinaEx, deren surreale Spielinstallationen...
Es könnte ganz einfach sein – schlicht wie der erste Satz: «Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet.» Im Düsseldorfer Schauspielhaus wuchtet sich erst einmal ein aus sechs Dutzend Männern und Frauen bestehender Chor in schwarzen Anzügen mit passenden Hüten aus den vorderen Parkettreihen,...
