Der Hauptgang fehlt noch
Gedankenverloren schaut der Mann in die Ferne. In seiner Nase steckt der vordere Teil einer Möhre, der Rest ragt aus dem Ohr. Ein anderer trägt eine Spaghettifrisur, eine Brillenträgerin hat Tomaten auf den Augen, den Hals einer jungen Dame kleidet ein Kollier aus rohem Fleisch. Die Bilder der nur mit Nahrungsmitteln bekleideten Schauspieler (auf anderen halten sie uns leere Teller entgegen) schmücken großformatig das Grillo-Theater in Essen. Kommentiert werden sie mit den Worten: «Mit Essen spielt man nicht» und dem Nachtrag «Für Essen schon».
Die Spielzeit des neuen Intendanten Christian Tombeil beginnt mit einem Kalauer, der provozierend in Szene gesetzt wird. Weniger provokativ, vielmehr ziemlich zahm klingt, was Tombeil im Spielzeitheft ankündigt: «nicht jede Idee schon im Keim durch die Angst vor möglichen finanziellen Auswirkungen zu ersticken». Die bösen Zungen, die vermuten, er sei deshalb zum Intendanten ernannt worden, weil er sich mit den drastischen finanziellen Kürzungen, die die Stadt dem Schauspiel auferlegt hat, allzu leicht arrangiert habe, wird er damit kaum besänftigen.
Essener Sparzwang
Doch Tombeil tritt in vielerlei Hinsicht kein leichtes Erbe an: Sein ...
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Zweimal Elfriede Jelinek am Rhein, zwei rivalisierende Städte, zwei gegensätzliche Konzepte für den Umgang mit Jelineks Texten: einmal «Skandal», einmal «Triumph». Der Düsseldorfer Skandal dauerte zwei Vorstellungen lang: massenhafter Abgang des Publikums während der Premiere, ein Zuschauer bespuckt eine Regieassistentin nach der zweiten Vorstellung. Ab der...
Da sitzt man nun im eigentlich wegen fehlender Brandschutz-Einrichtungen geschlossenen New Yorker Goethe-Instituts-Gebäude an der Fifth Avenue auf einem dunkelgrünen Friseurstuhl, der wegen seiner ausgeleierten Federn dauernd nach hinten wegkippt, und während man verzweifelt um sein Sitzgleichgewicht kämpft, erklärt einem ein aufgekratzt freundlicher Mittfünfziger...
Zum Glück gibt es den Hund. Titelheld, Referenzvieh, Kommentator. Bakunin heißt er, spricht wie ein Buch und ist somit in keinem Haustier-Klischee auch nur ansatzweise unterzubringen. In Dirk Lauckes (Anti-)Gentrifizierungsposse «Bakunin auf dem Rücksitz», von Sabine Auf der Heyde in den Kammerspielen des Deutschen Theaters uraufgeführt, ist der Hund des toten Jörg...
