Am Grund der Wörter
Se souvenir, drôle d’idée», sagt der Ingenieur am Schluss: Sich erinnern, was für ein sonderbarer Gedanke. Am 17. August 1893 haben in den Salinen von Aigues-Mortes in Südfrankreich eine Meute von Franzosen acht Italiener gelyncht.
Es war vieles zusammengekommen, harte Arbeitsbedingungen, denen sich die italienischen Reisbauern besser anpassten als die nordfranzösischen Tagelöhner, chauvinistische Rivalitäten zwischen den 2000 Franzosen und 1000 Italienern, ein banaler Anlass: Einer der Italiener habe seine Hose in Trinkwasser gewaschen, und die Geschichte hatte weitreichende diplomatische Folgen. Noch Mussolini soll Hitler anvertraut haben, das erste, was er in Frankreich tun werde, sei Aigues-Mortes niederzuwalzen. Wenige Wochen nach dem Pogrom wurden die Anführer samt und sonders freigesprochen; nur eine Person musste Buße bezahlen, genau zehn Francs: ein gewisser Georges Fournier, der sich nicht entschließen konnte, sein Gartentor zu öffnen, um die bedrohten Italiener einzulassen.
Vergangenheitsbewältigung als traurige Komödie
Keine glorreiche Geschichte, und in Frankreich ist sie erfolgreich vergessen und verdrängt. Erst in jüngster Zeit haben Historiker die Fakten wieder ...
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Theater heute Juni 2011
Rubrik: Ausland, Seite 38
von Andreas Klaeui
Eine derart hipnessverdächtige Spätkarriere war von Beckmann nicht zu erwarten. Der vornamenlose Kriegsheimkehrer, der drei Jahre nach der Schlacht um Stalingrad ohne Kniescheibe, dafür aber mit seiner «Gasmaskenbrille» wieder in Hamburg auftaucht und an eine hartnäckig verschlossene Tür nach der anderen klopft, rockt anno 2011 bei Luk Perceval vergleichsweise...
Endlich mal wieder Theater mit Vorhang. Und hier geht er nicht nur einmal auf, sondern acht-, neun-, zehnmal, allein in der ersten halben Stunde. Jedesmal eröffnet sich dahinter eine neue Welt, ohne dass ein Wort gesprochen wird. Elfriede Jelineks Textkaskaden als stumme Tableaux vivants – das könnte man für bloßen Regie-Innovationszwang halten. Ist es aber nicht....
Donnerstag, 2.
20.15, ZDFkultur: zdf.kulturpalast – Performing Arts & More, mit Pegah Ferydoni
(vgl. die Seiten 46–48 in diesem Heft)
20.45, ZDFkultur: Via Intolleranza II – von Christoph Schlingensief. Aufzeichnung vom Theatertreffen Berlin 2011
(vgl. TH 10/10+5/11)
22.15, ZDFkultur: The African Twintowers – Projekt (2009) von Christoph Schlingensief, mit Irm...
