Kategorie Mittelstand
Zum Schluss plant einer sein Verschwinden. Er wird keine Spuren hinterlassen, keine Geschichte schreiben, sich unsichtbar machen. Niemand wird ihn vermissen, niemand wird nach ihm fragen, da er längst ausgeschieden ist aus dem System, das die Gesellschaft zusammenhält, aus den wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhängen, die sie definieren.
Natürlich kennen wir sie, die Theorien über Kapitalismus, Globalisierung und das geschundene Individuum.
Wir wissen, dass der Mensch mit seiner labilen Psyche den ökonomischen und gesellschaftlichen Entwicklungen seiner Zeit hinterher hinkt und identifizieren Orientierungslosigkeit und Zusammenbruch mühelos als signifikante Zustände des modernen Individuums. Für das dritte Jahrtausend sind wir bestens gerüstet, wir Fachleute der Debatten um Beschleunigung, Regellosigkeit, Mobilität und Flexibilität.
Andreas Marber gelingt in seinem neuesten Stück das Kunststück, diese Themen zu vertiefen, indem er sie dem flachen Genre der Komödie zum Fraß vorwirft und eine grimmige Tragödie in den Menschen entzündet. In ihren Abgründen offenbaren sich Brutalität und Lächerlichkeit, Verlorenheit und Verletzlichkeit. Es bleibt ihnen nichts als Scheitern – an ...
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Theater heute Jahrbuch 2007
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 166
von Sonja Anders
Schon im Titel von Elfriede Jelineks «Königinnendrama» «Ulrike Maria Stuart» kündigt sich eine merkwürdige Kombination an. Denn was um alles in der Welt sollten die RAF-Terroristin Ulrike Marie Meinhof (1934–1976) und die schottische Königin Maria Stuart (1542–1587) außer der etwas schiefen Namensgleichheit wohl miteinander gemein haben? Oder verbindet sie gerade...
Dieser Herbst ist wieder mal ein deutscher Herbst. Aber diesmal zieht sich der Herbst schon durch das ganze Jahr. Alle möglichen Leute versuchen auf Teufel komm raus, die Geschichte der RAF für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Jetzt, da die letzten Häftlinge bald ihre Zellen verlassen werden, ist der Kampf um die Deutungshoheit entbrannt. In der Literatur, im...
Der ganz «normale» Wahnsinn einer deutschen (Klein?)Stadt. Es geht rau zu in dieser kleinen Welt am Rande, im Grau der Hochhäuser. Es geht um Materielles, um Sehnsüchte und um ein Leben, das im Grunde keiner lebt. «Wie ist es hier?» – «Normal.» – «Ziemlich dunkel.» Die Gewissheit der Vergeblichkeit. Das Warten auf etwas Entscheidendes. Nichts geht weiter. Es muss...
