Aktualitätsverzweiflung
«Kabale und Liebe» ist eine sichere Bank für die Stadttheater. Infolge verunglückter Bildungsreformen werden die schulischen Theaterbesuche nämlich so bald nicht abreißen. Wäre da nicht die Krux mit der ständigen Neuauflage. Denn was lässt sich diesem landauf, landab gespielten Oberstufenstoff noch an Zeitgeist abringen?
Am Schauspiel Köln hat sich Simon Solberg des bürgerlichen Trauerspiels angenommen und es mit der popkulturellen Abrissbirne gründlich zerlegt. Mit einem besonders mutigen Zugriff auf Schillers Stoff hat diese Zertrümmerung allerdings nichts zu tun.
Jede Szene ist mit medialen Bildern und Bezügen skandalisiert und mit kurzen Musikhits aufgepeppt. Doch in den dicken Brocken Unterhaltungsindustrie finden die spärlichen Schillerschen Sprachsplitter weder Reibung noch Halt, die zwei Ebenen laufen spannungslos nebeneinander her.
Die riesige Industriehalle des Depots ist ein Lagerraum (Bühne Solberg/Maike Storf). Zwischen Kartonstapeln hängen mächtige Stoffbanner mit Amazon-Schriftzug und dem dynamischen Konterfei des Präsidenten von Walter, studentische Arbeitskräfte wuseln geschäftig herum (leider fügt diese engagierte Statistengruppe dem ohnehin völlig überladenen ...
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Theater heute März 2014
Rubrik: Chronik: Köln Depot 1 und 2, Seite 59
von Natalie Bloch
Hätte Suhrkamp in den vergangenen 30 Jahren mehr Titel wie Isabel Allendes Debütroman «Das Geisterhaus» (1982) verlegt, wäre der Verlag heute wahrscheinlich nicht in der Krise. Der autobiografisch unterfütterte Familienroman war ein Weltbestseller. Erzählt wird die Geschichte Chiles von den 1920er Jahren bis zum Militärputsch 1973 durch General Pinochet; mit dem...
Das neue Gorki brummt. Jeder einzelne Abend sei ausverkauft, strahlt Chefdramaturg Jens Hillje. Das Publikum ist um gefühlte zwanzig Jahre verjüngt. Nicht nur an diesem Abend, zweite Vorstellung von Falk Richters «Small Town Boy», mit dem das sehr gezielte Anpeilen von (riesengroßen) Randgruppen, die das Gorki unter Shermin Langhoffs Intendanz seit November...
«Tja, das war der Drache.» Noch bevor der Vorhang sich öffnet, resümiert Hebbel persönlich (Wolfgang Rüter) die ruhmreichen Taten seines Helden. Des Dichters lässige Vorrede ist amüsant und befremdlich zugleich: Mit seinen Zwergenkämpfen und Drachenblutbädern wirkt der Nibelungenstoff nicht heroisch, sondern altbacken und unfreiwillig komisch. Vielleicht ist er im...
