Widerstand zwecklos
Es gibt wirklich großartige Momente. Zum Beispiel, wenn unverhofft in der Tiefe der Bühne ein auratisches Zimmer erscheint und dann in stiller Absurdität hinter dem Geschehen vorbeizieht. Oder wenn ausgerechnet der Universitätsprofessor Manfred Hild vom Forschungslabor Neurorobotik der Beuth Hochschule für Technik Robbie Williams «I just wanna feel» covert. Oder ein kleiner Roboter beim großen Opern-Finale ziemlich unbeholfen im Rampenlicht steht.
Oder wenn der Performer Sean Patten kurz nach der Pause die entscheidende Frage des Abends in den Opernhimmel schreit: «Was tun wir eigentlich hier?» Laut Programmheft der Komischen Oper, mit der das gewöhnlich am HAU und der Volksbühne beheimatete Kollektiv Gob Squad im Rahmen einer Doppelpass-Förderung der Kulturstiftung des Bundes kooperiert hat, wollte das ambitionierte Inklusionsprojekt «My Square Lady» einem humanoiden Roboter vermitteln, «was es heißt, menschliche Gefühle zu empfinden, sie auszudrücken und bei anderen hervorzurufen». Zwei Jahre lang haben Forscherteam und Kunstkollektiv mit ihrer Eliza Doolittle alle Gewerke des «Kraftwerks der Gefühle» (Opernhaus) durchlaufen und dessen Mitarbeiter befragt. Diese Begegnungen ...
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Theater heute Oktober 2015
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Anja Quickert
Auf dem Foto von Bert Neumann, mit dem die Volksbühne auf ihrer Website den Tod ihres Chefbühnenbildners anzeigt, trägt er ein Shirt mit dem Aufdruck «Don’t look back» in deutscher Frakturschrift. Solche Widersprüche hatten es ihm angetan. Auf dem Foto schaut er natürlich nicht den Betrachter an, sondern zur Seite. Sehr, sehr weit zur Seite, fast schon nach hinten....
Nicht verjährt. Im November 2014 lief in den Kinos Giulio Ricciarellis «Im Labyrinth des Schweigens» an, der sich als deutscher Kandidat für die Vorauswahl der «Oscar»-Nominierungen qualifizieren konnte (s. TH 11.2014). Jetzt rückt ein zweiter Film nach, der ebenfalls den hessischen Generalstaatsanwalt der jungen Bundesrepublik, Fritz Bauer, zum Helden bestimmt....
Vor allem ist da diese Angst. Wenn man heute die Artikel zur Endphase des DDR-Theaters 1990 durchblättert, dann springt sie den Leser geradezu an: Angst vor Schließung der Häuser, Angst vor Arbeitslosigkeit, Angst vor Identitätsverlust, Angst vor der Zukunft im Allgemeinen und Besonderen. Und mitten in diesen Wellen der Angst findet die Vereinigung der beiden...
