Brennpunkt Dessau: Glaube + Heimat

André Bücker verabschiedet sich mit einem markigen «Götz von Berlichingen« aus Dessau

Theater heute - Logo

André Bücker neigt weder als Regisseur noch als Noch-Intendant des Anhaltischen Theaters Dessau zu übertriebener Raffinesse und subtilen Zwischentönen. Als im vergangenen Jahr der Konflikt mit dem Land Sachsen-Anhalt, das seine Theaterzuwendungen unter dem machtbewussten Kultusminister Stephan Dorgerloh systematisch reduziert, eskalierte, antwortete Bücker mit einer so kampf- wie krampflustigen Revue. Seine kaba­rett­nahe Bearbeitung der «Beggars Opera« diente vor allem als Startrampe für gezielte Beleidigungen einzelner Politiker der Landesregierung (vgl. TH 4.14).

Das war zwar weder besonders geschickt noch künstlerisch ergiebig, traf aber zumindest beim Dessauer Publikum auf rege Zustimmung.

Die Aversion gegen die Landespolitik und den Kultusminister Stephan Dorgerloh hat Gründe. Dem Amtsverständnis des SPD-Ministers ist etwas zu deutlich anzumerken, dass er seine Karriere als Funktionär der evangelischen Kirche begonnen hat und sich auch als Minister als
Kirchenmann versteht. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn er auch das Theater respektierte. Bücker zumindest kann sich nicht daran erinnern, dass der Kultusminister einmal eine Theatervorstellung seines Hauses besucht hätte. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2015
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Peter Laudenbach

Weitere Beiträge
Die Heimholung

Es ist nur ein Katzensprung vom Wiener Burgtheater am prachtvollen Universitätsring zur nicht weniger prachtvollen Votivkirche am Rooseveltplatz, die im Dezember 2012 von einer Gruppe von Asylbewerbern besetzt wurde. Von hier aus führten sie ihren Kampf um Anerkennung und gegen Abschiebung – ein größtenteils erfolgloser Kampf. Elfriede Jelinek nahm das «Refugee...

Stuttgart: Panoptikum der Verlierer

Diese Inszenierung nervt. Sie ist laut, schrill, obszön. Sie veralbert und verschalkt ihre Figuren. Sie übertreibt in ihren Mitteln, scheint kein Maß und keine Sensibilität zu haben. Und doch trifft es die Inszenierung in einem Punkt genau: ein Grundgefühl dafür zu schaffen, was das Leben in Israel und Palästina ausmacht – immer am Abgrund, immer aber auch mitten...

Brennpunkt Rostock: Kunst oder Abriss?

Um kernige Worte war Sewan Latchi­nian in den letzten Wochen nicht verlegen, wenn er auf die Theaterpolitik im Land Mecklenburg-Vorpommern und in der Hansestadt Rostock zu sprechen kam. «Unsinnig und asozial» nannte der Intendant in einer Ansprache vor der jüngsten «Mahagonny»-Premiere den Bürgerschaftsentscheid, das von ihm geführte Volkstheater um zwei Sparten zu...