Recht auf Arbeit
«Das Fest ist das Gegengift zur Leistungsgesellschaft! Seien Sie unser Gast, legen Sie den Zuschauer ab, geben Sie Ihre vom Theatersitz gefesselte Haltung auf.» Vermutlich locken solche Sätze kaum jemanden mehr als die Kritikerin, deren Arbeitsplatz genau der Theatersitz ist, auf dem sie – komme, was da wolle – präzise beobachten, gescheit analysieren und keinesfalls einschlafen soll.
Wie oft wäre man mehr als dankbar, würde einem hier eine schlichte Flasche Bier in die Hand gedrückt, die Musik aufgedreht, und gut is’?
Schon im vergangenen Mai hat die Performance- und Subenventionsergatterungskünstlerin Helena Waldmann ihre subversive Ader entdeckt. Gut 160 Jahre nach Paul Lafargues «Recht auf Faulheit» und sechs Jahre nach Guillaume Paolis «Fröhlichen Arbeitslosen» veranstaltete sie im Rahmen des Internationalen Forums beim Berliner Theatertreffen den Workshop «Shop ohne Work». Auch wenn mancher aus der Ferne angereiste junge Bühnenenthusiast enttäuscht seine Däumchen drehte, fing ein harter Kern Feuer.
Gemeinsam mit der als Schaf maskierten Waldmann laden diese sieben Feierfreudigen nun in die Sophiensaele (weitere Koproduktionspartner und Aufführungsstationen sind Kampnagel ...
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Klaus Kinski war schon zu Lebzeiten eine Legende und wurde es nach seinem Tod 1991 um so mehr. Und wie man so sagt bei Legenden: «Ich habe ihn noch erlebt.» 1962, als er auf Deutschlandtournee in wechselnden Kostümen und Dekors Monologe von Hamlet bis Franz Moor schrie, kreischte, flüsterte und ächzte. Wenn jemand an der falschen Stelle hustete oder lachte,...
Das Rührendste kam zum Schluss: Da verbeugte sich Nuran Calis inmitten seines Teams so ungelenk, so wacker bemüht, der Applaus-Etikette Genüge zu tun, dass der Beifall schier kein Ende nehmen wollte. Es war ohnehin ein Klatschen der gerührten Herzen. Wann hatte man zuletzt einen so ungehemmt naiv und unironisch gespielten Klassiker gesehen? So ungebrochen auf die...
Die Beliebtheit des Medea-Mythos dürfte unter anderem in seiner dreifachen Verwertbarkeit für heute liegen: Zum einen das Thema Kindsmord als ein aus Verzweiflung geborener Akt der Autoaggression. Zum anderen das immer gültige Ehedrama: Er nimmt sich eine Jüngere, sie bleibt als desperate Ex zurück. Zum dritten aber auch die arrogante Xenophobie, die ein...
