Anke Zillich (Erinnye) und Werner Wölbern (Apollon); Foto: Birgit Hupfeld

Bochum: Prinzip Bewusstmachen

Aischylos «Orestie»

Theater heute - Logo

Aufgereiht zu siebt in dunklen Kleidern, als hielten sie Totenwache, sitzen sie auf einem langen hölzernen Querbalken. Harren guter Nachricht, aber was mit Macht kommt, ist Schrecken. Sie sind der Chor, dem man nicht allein rückwär­tiges Wissen zutraut, sondern auch den Blick in die Zukunft. Aus der Gruppe sondert sich das Atriden-Personal ab (durch nichts gekennzeichnet als eine goldene Halskette oder einen schweren Mantel).

Sie erzählen die hier wie mündlich überliefert klingende mythische Vorgeschichte vom «notwendigen» Opfer Iphigenies, das erst den siegreichen Kampf der Griechen um Troja ermöglicht hatte. Das Schlachten des Tochter-Kindes durch den Vater aber war nicht erst Ursprung der Untaten und des Leids. 

Agamemnon (Werner Wölbern) kehrt heim. Mit kaum gebändigter Kraft und doch mit gewinnend verbindlicher Geste wirbt er um die Gunst der Gattin und seines Argos: der Krieger als Politiker. Klytämnestra (Anke Zillich) trägt die Maske einladender Hausherrinnen-Art. Das Paar hält auf Abstand, kaum, dass aus dem Nebeneinander ein Miteinander wird. Nur mit einem langen Kuss stempelt Agamemnon seine trojanische Beute Kassandra und dokumentiert Besitzrecht – gegenüber beiden ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2018
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Andreas Wilink

Weitere Beiträge
Jeder ist ersetzbar

Vielleicht hat Chris Dercon Recht, und dies ist so etwas wie die Stunde Null. An diesem Eröffnungssamstag im November ist die Volksbühne, wenn man vom Publikum absieht, erst einmal leer. So sieht also ein «besenrein» übergebenes Theater aus. Die Bar ist neben die Kasse gezogen, die Kasse in den Pavillon, das Räuberrad zum Restaurator. Büchertisch, Fassadenplakate,...

Vorschau - Impressum (01 2018)

Frank Castorf setzt am Berliner Ensemble gute Traditionen fort: Auf den siebenstündigen Volksbühnenabschieds-«Faust» folgen siebeneinhalb Stunden «Les Misérables», die an ausgewählten Wochenenden auch auf zehn Stunden anschwellen dürfen: im Bonustrack-Rausch

Das Thema wird schon viel zu lange vernachlässigt: Wie verköstigt sich ein aus­gehungerter Zuschauer in der...

Weimar: Unser Dorf hat Zukunft

Das zeitgenössische Dorf hat es nicht leicht auf dem deutschsprachigen Theater, wenn es denn überhaupt mal zu Worte kommt. Entweder erweist es sich als utopieresistent und dem gesellschaftlichen Fortschritt entgegenstehend, wie in den sozialistisch-realistischen Bestandsaufnahmen von Heiner Müller und Co., oder es erscheint als depperter, kleinbürgerlicher...