Gletscherschmelze
Lang, sehr lang war ich überzeugt gewesen, die DDR, die Wende und deren Nachwehen seien mein Thema. Dann, seit ein paar Jahren, habe ich geglaubt, ich hätte mich davon gelöst; und es ist wohl auch kein Zufall, dass ich in der Schweiz wohne, und nicht mehr in meiner Geburtsstadt Leipzig. Das ist nicht meine Geschichte, dachte ich mir. Mehr noch: Die DDR ist tatsächlich Geschichte, und darüber bin ich froh. Ganz so einfach ist es leider nicht. Also werde ich ein wenig erzählen.
Meine Beziehung zum Ganzen, das ist, wie bei manchem Schriftsteller: das Buch des Vaters.
Mein Vater war Philosoph an der Uni Leipzig, seine Habilitation fiel genau in die Zeit der Wende; seine Laufbahn nahm ein Ende. Das ganz ohne Stasiverstrickungen. Für den dialektischen Materialismus gab es einfach keine Nachfrage mehr, so dachte man zumindest.
Im Laufe der Jahre setzte ich dann einiges gleich. Die Geschichte des
Vaters mit dem Wegwerfen der Ideale, die der DDR vermeintlich zugrunde gelegen hätten: Die Idee für den Kuchen war spitze, nur das Rezept falsch, und der Küchenmaschinenaufsatz, und der Zucker, und der Koch sowieso. (Im Nachhinein möchte ich fast sagen, dass eigentlich auch schon die Idee, ...
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Theater heute November 2014
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Wolfram Höll
Wer denkt, dass man sich als Ausländer hierzulande integrieren sollte, muss sich unbedingt mal die Brasiliendeutschen ansehen. Die stolzen Alteuropäer, Nachfahren neugieriger oder auch nur überlebensaktiver Auswanderer vom Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts, leben zum Teil schon in der fünften oder sechsten Generation in ihrer neuen Heimat in Santa Catarina...
Für Arthur, Danilo und Feine Sahne Fischfilet.
Das Stück beruht auf Augenzeugenberichten und Zeitungsnotizen aus den Jahren 2007 bis 2013.
Schrägstriche (/) im Text deuten überlappenden Sprecheinsatz durch den nächsten Sprecher an.
Das Werk ist eine Auftragsarbeit des Staatstheaters Stuttgart
1. Abfertigung / Der Verrat
Flughafengeräusche. Karl und Meret...
Franz Wille «Furcht und Ekel» handelt vom alltäglichen Rechtsextremismus und trägt den schönen Untertitel «Das Privatleben glücklicher Leute». Was ist das Glück dieser Leute?
Dirk Laucke Schon der Titel ist natürlich eine doppelte Anlehnung, einerseits an Brechts «Furcht und Elend im Dritten Reich» und Franz Xaver Kroetz’ «Furcht und Hoffnung in der BRD». Und der...
