Zurück in den Ring!
«1938» steht ziemlich unüberlesbar auf der Fassade des Neuköllner Mietshauses, in dem die Theaterautorin Sivan Ben Yishai wohnt. Eine irritierende Datumsangabe: Wie lebt es sich als Jüdin in einem Haus, das im Jahr der Reichspogromnacht erbaut wurde? «Seltsam, oder? Ich dachte immer, vielleicht bin ich zu empfindlich», lacht Sivan Ben Yishai, während sie in ihrer kleinen, charmanten Wohnung Kaffee kocht. Die Essecke in der Küche ist auch ihr Arbeitsplatz; sie blickt dabei auf ein an die Wand gehängtes Computer-Motherboard.
«Das habe ich auf der Straße gefunden, seither inspiriert seine Struktur mich beim Stückeschreiben.» Überhaupt ist ein Teil ihrer Wände gepflastert mit Bildern und Büchern, Postkarten, Fundstücken und Reliquien, die meisten aufgeladen mit Geschichten, Erinnerungen, Beziehungen. «Meine ganze kulturelle Familie», sagt sie und bittet mich ins Wohnzimmer. Auf dem Tischchen, auf dem wir unseren Kaffee abstellen, liegt ein getrocknetes Seepferdchen in einer Schale.
Sivan Ben Yishai gehört zu den Autor*innen, die in Deutschland im Umfeld des Studio am Berliner Maxim Gorki Theater bekannt geworden sind. Geboren 1978 in Jerusalem, verbrachte sie einige Kindheitsjahre ...
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Theater heute Oktober 2019
Rubrik: Das Stück, Seite 28
von Eva Behrendt
Die Marching Band marschiert. Der Trapezartistin Empress Stah glitzert ein Laserstrahl aus der Vulva. Der Stuttgarter Balletttänzer Louis Stiens macht ein paar neoklassische Figuren als glatthäutiges Objekt der Begierde. Und dann wummert der Soundtrack los, «Cut», dunkler Electroclash mit Trap-Elementen, aufgefrischt durch Bläsereinsätze. Und drängt die szenischen...
«Ich habe dieses Buch schneller als irgendein anderes geschrieben: & es ist ein einziger Witz; & doch heiter & schnell lesbar, glaube ich; Ferien eines Schriftstellers», schrieb Virginia Woolf im März 1928 in ihr Tagebuch, kurz nachdem sie «Orlando» beendet hatte. Ein einziger Witz – diese Formulierung könnte auch Katie Mitchell in ihrer Inszenierung an der...
Die Salzburger Festspiele standen in diesem Jahr unter einem konzeptionellen Bogen: Antike Mythen wie die von Ödipus, Medea oder Orpheus wurden auf ihre Relevanz für die Gegenwart untersucht. Seltsamerweise aber galt das Motto offenbar nur für das Musiktheater, im Schauspielprogramm waren davon allenfalls Spurenelemente auszumachen. Das hatte vermutlich zwar ganz...
