Konstruktionsmaschine Theater
Wer möchte in dieser Haut stecken? Die etwas über 50-jährige Ich-Erzählerin in Friederike Mayröckers «Reise durch die Nacht» kreist weitgehend formlos um einen toten Vater, zwei möglicherweise früh verstorbene Kinder, diffuse Erinnerungsblitze, Probleme mit dem Erzählen wie mit dem Handeln, ihre panisch betriebene «Schreibarbeit», eine unverzichtbare, dabei gründlich verlebte Beziehung, das Altern und viel hochsensible Naturwahrnehmung. Auch auslaufende Filzstifte spielen eine große Rolle, die die heiligen Schreibnotizen regelmäßig unleserlich machen.
Alles höchst ich-gefährdet und maximal selbst-zerrissen: ein klassischer Fall von inflationärer Hochmoderne. Dazwischen stehen Sätze voll Einfalt und Würde: «Es befällt mich sommers manchmal eine große Wehmut.» Die 1984 erschienene Erzählung, geschrieben von November 1982 bis Dezember ’83, wie die Autorin akribisch notiert, haucht beim Wiederlesen die Literaturluft jener Jahre so ungefiltert aus, dass es den Atem verschlägt: Nabelschau-selige Innerlichkeit, unbedingtes Avantgardewollen und partienweise erbarmungswürdige Amateurprosa in einem nicht enden wollenden Bewusstseinsstrom aus absolutem Unglück.
Sie habe alles falsch gemacht ...
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Theater heute Dezember 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Franz Wille
Bei lebendigem Leib zerstückelt, mit Fußtritten getötet, vom Auto überfahren – tote Kinder sind in Dea Lohers Literatur ein ständig wiederkehrender Schock, um von der Hilflosigkeit des Trauerns zu erzählen. Das verzweifelte Ringen um Tapferkeit, das als Leitmotiv seit Anfang der Neunziger ihre Stücke und auch ihren jüngst erschienenen Roman «Bugatti taucht auf»...
Am Eingang des beinahe dunklen Raumes hat sich ein Stau gebildet. Einige wollen raus, andere rein. Diese wollen, so scheint es, nicht in etwas hineingezogen werden, was sie nicht überschauen und was ihnen ganz buchstäblich unheimlich ist, jene sind sich nicht sicher, ob die sich stauende Menge Teil des Kunstwerks ist oder vielmehr dieses vor ihren Augen verdeckt....
Aalen, Theater der Stadt
1. Wilson/Waits/Burroughs,
The Black Rider
R. Danielle Strahm
Altenburg/Gera, TPT
6. Becker/Stengele,
Ayana Rabenschwester
R. Bernhard Stengele (in Altenburg)
6. nach Hauff, Das kalte Herz
R. Frank Voigtmann (in Gera)
Annaberg, Eduard-von-
Winterstein-Theater
1. Schnitzler, Der Reigen
R. Gerald Gluth-Goldmann
Basel, Theater
1. nach Goethe, Die Leiden...
