Goldene Brücken
Sie haben alles richtig gemacht: Gerd, 57, Leitender Ingenieur in einem Baukonzern, liberal, witzig, lösungsorientiert, und Bettine, 51, ehemals im Marketing beschäftigt, reflektiert, empathisch, fürsorglich – er, als er auf eine weitere Stufe der Karriereleiter verzichtete, indem er aus den USA nach Deutschland zurückkehrte, sie, als sie vor zehn Jahren die Berufstätigkeit aufgab, um sich besser ihrem damals neunjährigen Sohn zu widmen; beide, indem sie ungeachtet hier und da auftretender Meinungsverschiedenheiten und Verschleißerscheinungen ein gutes Paar geblieben sind.
Warum ist ihr Sohn Marc dann trotzdem einer geworden, der ein Dreivierteljahr nach seinem mäßigen Abitur nichts hinkriegt «außer Party, Schlafen, Kiffen, Fernsehen, Kühlschrank leerfressen, Party und so weiter …»? Einer, von dem sein Vater sagt: «Ich kann auch einen Pudding nach dem Sinn des Lebens fragen», weil er es müde geworden ist, den Sohn um vier Uhr nachmittags, kaum aufgestanden, vor der Kühlschranktür auf der Suche nach einer Fertigpizza zu treffen, während die Mutter die vermissten Schlüssel aus seiner Hosentasche fischt, ehe sie seine Wäsche wäscht.
Lutz Hübner und seine Co-Autorin Sarah Nemitz, ...
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Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 180
von Kekke Schmidt
Was ist ein Ensemble? Ist das ein zusammengewürfelter Haufen? Oder maßgeschneidert gecastet? Sind das lauter Individuen oder ein Haufen plus Star? Sind es lauter Stars? Es gibt so viele unterschiedliche Aspekte! Ich erwarte inzwischen von den Schauspielern, dass sie selbständig spielen, Vorschläge machen, dass sie Künstler sind – Schauspielkünstler, Körperkünstler...
1. Kurz vor Probenbeginn zur «unverheirateten» von Palmetshofer Ewald, Café Europa, 16 Uhr, Wien
Reinsperger Hallo. Ich bin die Steffi. Schön dich mal kennenzulernen.
Borgmann Ja, schön. Hallo. Robert. Find ich auch. Gut hier irgendwie.
Reinsperger Ja, ich bin öfter hier. Ich kenn’ hier den Barkeeper.
Borgmann Aha. Das kann nie schaden. Ich bestell mal was.
Stefanie...
Ein Ensemble ist ein Arbeits- und Beziehungszusammenhang auf Zeit. Wie jede Beziehungsarbeit kostet und produziert ein solcher Zusammenhang Kraft und Mühe. Sein Rohstoff ist der Reichtum an Handlungsenergie, an Erfahrung und an Fantasie der je einzelnen Individuen. Diesen Reichtum will ein Ensembletheater, das sich der Bedingungen seiner Möglichkeit bewusst ist,...
